NORWEGEN Juli 2024

28.07.2024 SKJÆRHALDEN

Nach 19 Seemeilen unter Segeln machen wir in diesem beliebten Urlaubsort fest. Der Liegeplatz war im voraus buchbar, was auch nötig war wie sich beim Einlaufen zeigte. Ort und Hafen liegen gut geschützt hinter mehreren kleinen Inseln inmitten des Ytre Hvaler Nasjonalpark in unmittelbarer Nähe zur Schwedischen Grenze. Der kleine Ort versprüht mit seinen kleinen Holzhäusern, Geschäften und Restaurants in unmittelbarer Wassernähe den typisch norwegischen Charme. Dies wird unser letzter Hafen in Norwegen sein. Nach drei Monaten Aufenthalt müssen wir das Land verlassen weil Norwegen nicht Mitglied in der EU ist. Am 11. August wären diese drei Monate rum, kontrollieren würde uns vermutlich niemand. Wir wollen jedoch gegen keine Regeln verstoßen und freuen uns über das Privileg frei und sicher in diesem schönen Land reisen zu dürfen. Ein weiterer Vorteil Norwegens sind die Dieselpreise. Diesel an Bootstankstellen ist hier, entgegen dem an Autotankstellen, „Afgiftsfri„, also steuerfrei. In Verbindung mit der schwachen Norwegischen Krone tanken wir für umgerechnet 1,29€/ Liter und damit günstiger als auf Helgoland. Mit 700 Litern Diesel an Bord sollten wir es selbst bei Flaute bis zum nächsten Tankstopp auf Helgoland schaffen. Hier stehen die nächsten Tage Boat-Office, Dinghy fahren, Schwimmen und Laufen auf dem Plan. Die erste Laufrunde über 15km führte durch eine tolle Landschaft. Je weiter wir wieder nach Süden kommen, so moderater werden auch die Anstiege auf den Strecken. Bislang hat es noch geklappt an jedem besuchten Ort unserer Reise ein kleines Läufchen zu machen. Das Laufen ist ein schöner Ausgleich zum sonst eher bewegungsarmen Bordleben.

24.07.2024 FREDRIKSTAD

Dieser Hafen sollte die Basis für zwei Wochen Boat Office werden in denen Simone Urlaubsvertretung übernehmen muss. Wir sind unserem Zeitplan noch etwa 14 Tage voraus und zu früh wollen wir uns nicht in die zur Urlaubszeit überfüllten Westschwedischen Schären begeben. Fredrikstad wurde uns zudem als kulturreiche Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten empfohlen. Das Wetter passte perfekt für die vor uns liegenden 40 Seemeilen. Bei bis zu 5 Windstärken aus nördlicher Richtung segelte Germane gemütlich unter dem Vorsegel dahin. Auf der gesamten Strecke benötigten wir den Motor nur zum Ab- und Anlegen, so soll es eigentlich sein. Die Reise entlang des Oslo Fjords ist eher unspektakulär. Obwohl in der Seekarte ein Verkehrstrenngebiet eingezeichnet ist, scheint dies niemanden zu interessieren. Eigentlich sind diese Trenngebiete, nur wenn unbedingt nötig, im rechten Winkel zu queren. Sportboote müssen sich innerhalb des VTG am Rand des für die jeweilige Richtung vorgeschriebenen Fahrwassers halten. Hier ist es augenscheinlich gängige Praxis gegen diese Regeln zu verstoßen. Indem wir weiter den optimalen Winkel zum Wind segeln, passen wir uns an. Ein solches Fehlverhalten würde auf der Elbe mit einer empfindlichen Strafe gewürdigt werden, wobei das Verkehrsaufkommen dort auch höher ist. Als wir nach acht Stunden in Fredrikstad einlaufen sind wir enttäuscht. Der Gästehafen ist teuer und die Hafeninfrastruktur einfach. Die einzig geschützten Plätze sind reserviert, wie sich aber erst herausstellt nachdem wir festgemacht haben und uns durch das komplizierte Online-Buchungssystem gefummelt haben. Direkt angrenzend ist eine Wohnmobil-Stellfläche, auf der sich Sanitär Container befinden. Diese teilen sich Bootsfahrer und Wohnmobilisten. Eigentlich sollte das kein Problem sein, wenn diese „Womo-Spezie“ nicht eine komplett andere Blutgruppe als die der Seefahrer hätte (eine ausführliche Begründung dazu folgt irgendwann später). Wir müssen uns in den ungeschützteren Teil des Hafens verholen und sind dort dem Schwell der vorbeifahrenden Boote ausgesetzt. Einziger Vorteil des Hafens ist seine zentrale Lage (im heruntergekommenen Gewerbegebiet) zur Innenstadt, mit vielen Restaurants und Kneipen. Da wir nicht auf Kneipentour sind ist die Freude über den zentralen Liegeplatz begrenzt und die Planung für die Weiterfahrt schnell gemacht. Der Besuch der etwa vier Kilometer entfernten Altstadt hat uns zumindest die Allgegenwärtigkeit der in dieser Region weit verbreitenden „Pride- Ideologie“ gezeigt.

21.07.2024 OSCARSBØRG

Nachdem wir in OSLO mit 60° Nord den nördlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise erreicht haben zeigt unsere Kompassnadel jetzt wieder in Richtung Süden. 16 Seemeilen südlich von OSLO liegt die Insel OSCARSBØRG. Diesen geschichtsträchtigen Ort hatten wir bereits auf unserer Reise nach OSLO passiert und beschrieben. Jetzt wollen wir uns näher damit beschäftigen, das Museum besuchen und an einer Führung teilnehmen. Der Yachthafen liegt gut geschützt auf der Westseite der Insel und wir finden einen freien Liegeplatz an dem wir längsseits festmachen. Wir kommen noch rechtzeitig, um an der einzigen Führung des Tages teilzunehmen. Eigentlich finden keine Führungen in englischer Sprache statt. Wir haben aber Glück, dass noch mehrere englischsprachige Besucher diese Tour gebucht haben und dadurch kurzerhand ein zweiter Tourguide eingesetzt wurde. Die Führung ist sehr empfehlenswert und vom Tourguide ausgezeichnet gemacht. Ohne Wertungen abzugeben hat er viele interessante Details bekannt gegeben und uns einen tiefen Einblick in die Geschichte dieses Ortes gegeben. Aus rein militärischer Sicht ist es nicht nachvollziehbar warum Admiral Kummetz, trotz aller Bedenken des Kommandanten der Blücher, so fahrlässig vorgegangen ist und damit dieses Desaster zu verantworten hatte. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel schrieb dazu: „…. Überoptimistisch glaubte Admiral Kummerz nicht daran, dass die Festung Oscarsborg Widerstand leisten würde. Nach Entdeckung seiner Schiffe am Eingang des Fjords und dem Löschen aller Leuchtfeuer war dies eine allzu kühne Erwartung. …“ und: „...Immerhin überlebte er seinen Fehler, mit der Blücher voran langsam durch die Drobag-Enge zu dampfen. Schwimmend erreichte er das Ufer und erhielt später für die missglückte Operation sogar noch einen hohen Orden. …

Ein Blick auf Marine Traffic zeigt uns, dass unsere niederländischen Freunde aus Scheveningen den Fjord hinauf segeln. Nach einer kurzen Absprache über Funk ändern sie ihre Route und laufen unseren Hafen an. Obwohl das letzte Treffen in Stavern noch nicht lange zurück liegt ist die Wiedersehensfreude groß. Der Grill wird angeworfen und es folgt ein gemütlicher Deutsch-Holländischer Abend auf der Resonate mit Tim und Lisbeth.

18.07.2024 OSLO

Kaum zu glauben aber der Sommer hat nach Norwegen zurück gefunden und wir begeben uns auf einen langen Schlag von 70 Seemeilen nach OSLO. Da der Wind gegen Mittag einschlafen soll machen wir uns schon um 5 Uhr auf den Weg. Eine gute Entscheidung wie sich heraus stellte, denn wir wurden mit optimalen Segelbedingungen belohnt. Germane schien ebenfalls Freude an diesen Bedingungen zu haben und machte selbst bei abnehmendem Wind noch fünf Knoten Fahrt. Wie vorhergesagt schlief der Wind gegen Mittag ein und Onkel Günter musste den Antrieb auf den verbleibenden 40 Meilen übernehmen. So dieselten wir bei feinstem Sonnenschein den Oslo Fjord entlang und genossen das Privileg hier unterwegs sein zu können. Dass es nicht selbstverständlich ist in Frieden und Freiheit und zu leben wird wieder einmal deutlich, als wir uns der DRØBAG Enge nähern. Schon von weitem können wir die Geschützstellungen auf der Insel OSCARSBØRG erkennen. Diese Insel ist ein natürliches Hindernis mitten im Fjord und verengt ihn auf eine Breite von nur 200m. Am 09.April 1940 wurde von dort aus der deutsche Kreuzer BLÜCHER unter Feuer genommen und versenkt. 830 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Das Wrack liegt noch heute in 90 Metern Tiefe welches wir in unmittelbarer Nähe passieren. Gegen 18 Uhr machen wir in der AKKA BRYGGE Marina mitten im Zentrum von OSLO fest. In 200m Entfernung steht gut sichtbar eine riesiger Anker auf der Promenade. In Hafenstädten sicherlich keine Seltenheit, dass alte ausgediente Anker ausgestellt sind und damit maritimes Flair verbreiten. Diesen weist jedoch eine kleine Plakette als den Anker der BLÜCHER aus, was ihn (für diejenigen die sich damit beschäftigen) eher als ein Statement im Kontrast zum bunten Treiben in den Restaurants und Kneipen seiner Umgebung erscheinen lässt.

Oslo ist eine schöne, saubere und moderne Stadt mit vielen Museen. Sie unterscheidet sich dennoch vom restlichen Norwegen so wie wir es kennen. Das hier der Großteil der Bewohner wohlhabend ist wird nicht nur durch teure Autos und hochwertige Yachten im Hafen sichtbar. Die Restaurants sind gut besucht, die Preise hoch und das Straßenbild eher „Schicky-Micky“. Hier fällt uns auf, dass deutlich weniger Fahnen mit den norwegischen Nationalfarben zu sehen sind. In den anderen Teilen Norwegens wehen diese an vielen Privathäusern und Geschäften, hier nur an den öffentlichen Gebäuden. Die sogenannte „Pride-Flag“ in Regenbogenfarben ist dafür aber allgegenwärtig. Der Yachthafen wird Nachts von einem Sicherheitsdienst bestreift und hier und da sind einige finstere Gestalten zu sehen. Um so mehr freuen wir uns über Besuch von Kay-Uwe, der vor vielen Jahren nach Norwegen ausgewandert ist. Von ihm erfahren wir viel über Land, Leute und Kultur. Diese Veteranentreffen sind immer wieder schön und zeigen selbst nach vielen Jahren ohne Kontakt die enge Verbundenheit durch die gemeinsamen Erlebnisse und gemachten Erfahrungen.

12.07.2024 STAVERN

Diesen Hafen haben wir aus 2016 vom Colin Archer Memorial Race in guter Erinnerung. Das CAM Race ist eine Hochseeregatta von Lauwersoog, NL, nach Stavern, NO und findet alle zwei Jahre statt. Die Strecke von 450 Seemeilen wird über Nordsee und Skagerrak nonstop gesegelt. Abhängig von Wetter, Yacht und Crew werden dafür 2-4 Tage benötigt. Dirk war damals in einer niederländischen Wettkampf-Crew, die es sogar auf den zweiten Platz in ihrer Klasse geschafft hat. Der Großteil des Teilnehmerfeldes besteht, neben ein paar wenigen reinen Regattabooten, aus Serien- und Fahrtenyachten. Oft nutzen die Eigner das CAM Race, um ihre Yacht mit einer Wettkampf-Crew nach Norwegen zu segeln. Der Rückweg wird dann gemütlich als Urlaubsreise mit Familie durch die Ostsee zurück gelegt. Auch in diesem Jahr nahmen wieder einige Crews vom JACHTCLUB SCHEVENINGEN teil, in dem wir noch immer Mitglied sind. Aus der Zeit in der wir dort gewohnt und gearbeitet haben sind viele Freundschaften entstanden die noch bis heute anhalten. Für uns stand somit fest, dass wir nicht weiter segeln ohne die „JCS – CAM Racer“ in Empfang zu nehmen. So war es dann auch als am 15.07. die ersten Boote über die Ziellinie fuhren. Wir bekamen direkt Heimweh als wir wieder zwischen Panther, Sea Berryl, Resonate und deren Crews standen. Obwohl wir schon seit 2018 zurück in Deutschland sind fühlte es sich gleich wieder heimisch an. So hatten wir noch einige schöne Stunden, bevor sich das Feld wieder auflöste und jeder seine Heimreise antrat.

Wie zuvor schon mehrmals berichtet ist der Austausch mit anderen Crews der internationalen Seglerscene immer wieder bereichernd und im folgenden Fall auch äußerst hilfreich. Zum Arbeiten aus dem Boat Office benötigt Simone eine stabile Internetverbindung. Diese stellen wir über Mobilfunk mit einem Router und SIM Karte her. Leider ist verfügbare Datenmenge deutscher Anbieter im Ausland begrenzt und somit nicht ausreichend für unsere Zwecke. Über eine norwegische Freundin konnte Simone glücklicherweise einen „unlimited“ Vertrag bei TELENOR, einem norwegischen Anbieter, abschließen. Die dazugehörige SIM Karte haben wir seit unserer ersten Norwegen Reise und sie funktioniert in ganz Skandinavien zu gleichen Konditionen. Durch interne Umstellungen des Anbieters lief diese SIM Karte im Juli aus und musste ersetzt werden. Zwar hatte der Anbieter im Vorfeld die neue Karte verschickt, nur lag diese jetzt bei der Freundin in Stavanger die sich jetzt wiederum im Urlaub in Spanien befand. Wir konnten zwar auf unsere deutsche Telekom Karte als Backup zurückgreifen, nur hätte das verfügbare Volumen nicht für den ganzen Monat gereicht. So ergab es sich bei einer spontanen Bitburger-Bierverköstigung mit unseren norwegischen Bootsnachbarn, dass Alf-Gunnar bei TELENOR arbeitet und sogar SIM Karten dabei hat. Er uns kurzerhand zwei Prepaid Sim Karten mit je 100GB (!) Datenvolumen übergeben und meinte, dass sollte uns erstmal weiterhelfen. Einfach großartig, anders kann man dies gar nicht ausdrücken. Die Ersatzkarte für unseren eigentlichen Vertrag liegt mittlerweile in OSLO bei dem Bruder von Simones Freundin bereit, ein weiterer Grund für uns die Norwegische Hauptstadt anzulaufen.

03.07.2024 KRAGERØ

Da die Wetteraussichten für die nächsten Tage äußerst bescheiden sind, machen wir uns vorher noch auf den Weg in den nächsten Hafen. KRAGERØ ist nur 14 Seemeilen entfernt und liegt gut geschützt hinter den Schären. Im Harbour Guide wird sie als lebhafte kleine Stadt beschrieben die kulturell einiges zu bieten hat. Um für die kommenden Schlechtwettertage einen guten Liegeplatz zu bekommen, machen wir uns früh auf den Weg. Die Bedingungen sind gut und wir segeln unter Groß und Genua bei glatter See der Küste entlang. Als wir gegen 11 Uhr in den Gästehafen einlaufen finden wir noch einen freien Platz im hinteren und besser geschützten Teil des Hafens. Bereits eine Stunde später sind alle Plätze belegt und die jetzt ankommenden Boote müssen an der Außenseite im Päckchen liegen. Für das angesagte Wetter der nächsten Tage wird es dort sicherlich ungemütlich werden. Heute wollen aber alle noch das schöne Wetter auszunutzen, denn überall herrscht buntes Treiben. Im Flachwasserbereich des Hafens macht eine Horde von Kindern und Jugendlichen fest. Sie sind mit kleinen Segelbooten von einer benachbarten Insel herübergesegelt, um hier ein Eis essen zu gehen. Ein älterer Herr, der eines der Begleitboote fährt, erklärt uns, dass es sich hierbei um eine Segelfreizeit handelt. Die Kinder lernen dabei das Segeln auf kleinen Booten (Optimisten und Lasern) von Jugendlichen, die zuvor selbst das Segeln in einer dieser Freizeiten erlernt hatten. Eigentlich ginge es auch um das „Socialising“ sagt er. Hier würden neue Freundschaften entstehen und die Älteren lernen Verantwortung zu übernehmen. Wir empfinden diese Art des „Stegschnacks“ immer wieder als bereichernd. Da wir kein Norwegisch sprechen finden diese Gespräche in Englisch statt. Dies wird in den skandinavischen Ländern von allen Generationen fast selbstverständlich gesprochen. Leider glänzen wir Deutschen in der breiten Maße nicht mit dieser Fähigkeit. So manche Bestellung deutscher Touristen verlangt den Bedienungen schon einiges an Vorstellungsvermögen ab. Für die kommenden Schlechtwettertage scheint es hier für uns der ideale Ort zu sein. KRAGERØ entspricht seiner Beschreibung und ist zudem wunderschön gelegen. Ein kulinarisches Highlight wird sicherlich noch ein Abendessen im EL PASO WESTERN SALOON, mit Burger und teurem Bier werden.