Reise September 2022

SY WIEBKE vom Hamburger Segler-Verband e.V. auf dem Weg zur Einlaufparade

16.-18.09.2022 Hafengeburtstag HAMBURG. Durch Simones Hartnäckigkeit und etwas Glück haben wir über den HAMBURGER Segel-Verband e.V einen Platz im City Sporthafen HH (CSH) bekommen. Wir mussten uns lediglich verpflichten einmal täglich an der Showfahrt der Segelyachten teilzunehmen und die Ein- und Auslaufparade zu begleiten. Ab Donnerstag füllte sich der CSH wobei die Motoryachten deutlich in der Überzahl waren. Die Stimmung war ausgelassen und die ersten Boot-Partys stiegen. Was die Party Ausstattung der Yachten angeht unterscheiden sich die Motorboot-Leute deutlich von den Seglern. Mit deren Musikanlagen hätte man die gesamte Reeperbahn beschallen können und auch die Lichtanlagen standen der der AIDA in nichts nach.

Leider spielte das Wetter nicht so mit wie es sich alle gewünscht hätten. Am Freitag waren zur Einlaufparade Starkregen und Wind in Böen bis 35 Knoten vorhergesagt. Im Laufe des Tages sollte es sich noch weiter verschlechtern. Auf der Elbe führt dies in Verbindung mit der Strömung zu einer ungemütlichen kabbeligen Welle, was für Germane aber kein Problem ist. Im voll belegten und engen City-Sporthafen bei diesen Bedingungen zu manövrieren ist dagegen äußerst anspruchsvoll und bereitet auch allen anderen Crews Sorgen. Wir sind froh als wir ohne „Bruch“ aus dem Hafen kommen und auf der Elbe sind. Der Wind ist stärker als vorhergesagt und wir messen in Böen über 40 Knoten. Dennoch ist es beindruckend inmitten der einlaufenden Schiffe vor den Landungsbrücken und der Hamburger Skyline entlang zu fahren. Diese Eindrücke sind mit unserer Kamera Ausrüstung leider nicht annähernd einzufangen. Das Flaggschiff des 833. Hafengeburtstags war die Fregatte BAYERN und hat die Einlaufparade angeführt. Leider war die GORCH FOCK nicht dabei, wir haben aber unser Bestes gegeben um diesen Mangel zu kompensieren. Erstaunlicherweise waren trotz des schlechten Wetters die Landungsbrücken voll mit Menschen die dieses Spektakel verfolgten. Im Hinblick auf die vorhergesagte Wetterverschlechterung wurde die anschließende Showfahrt der Sportboote abgesagt. Wir waren glücklich über diese verantwortungsbewusste Entscheidung und konnten noch bei halbwegs moderaten Bedingungen zurück und ohne „Bruch“ anlegen, bei anderen Yachten kam es leider zu Kollisionen. Das Wetter der nächsten Tage war durchwachsen aber die Showfahrten konnten stattfinden. Wir denken, dass alle beteiligten Yachten ein gutes Bild abgegeben haben und deren Crews ihr Bestes gegeben haben. Die Organisation war klasse und wir möchten uns an dieser Stelle nochmals bei Klaus, Cathrin und den vielen Verantwortlichen des HAMBURGER SEGEL-VERBAND e.V. bedanken, dass wir dabei sein durften.

Für uns war dies eine unvergessliche Veranstaltung und großartiger Abschluss unserer diesjährigen NORWEGEN Reise. Jetzt stehen zwei „Office Days“ an bevor es am Mittwoch zurück in Richtung Heimathafen nach CUXHAVEN geht. Dort wollen wir am Donnerstag den 20.09. eintreffen. Den Winter über werden wir unseren GERMANEN pflegen und die Planungen für unsere Nordreise 2023 machen. Hier werden wir noch eine Zusammenfassung mit den „Highlights“ und „Lessons Learned“ unserer diesjährigen Reise veröffentlichen, danach wird es bis zur nächsten Abfahrt im April 2023 erstmal ruhig werden.

Unser Liegeplatz für den Hafengeburtstag

11.09.2022 HAMBURG Wir haben unsere deutsche Lieblingsstadt und auf 53°32’N 009°59’E gleichzeitig den südlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise erreicht.

Heute Morgen ging es wegen Nebels erst mit zwei Stunden Verspätung weiter. Bei schlechter Sicht ist der NOK für die Sportschifffahrt gesperrt und wurde erst gegen
0900 Uhr wieder freigegeben. Unsere Routenplanung sah vor, eine Stunde nach Niedrigwasser auf die ELBE zu kommen, um dann bei mitlaufender Strömung bis nach HAMBURG zu segeln. Da es keine festen Schleusenzeiten gibt sondern Sportboote nur geschleust werden wenn gerade Platz ist hatten wir eine Stunde Sicherheitszuschlag eingerechnet. Schaffen wir es nicht mit dem auflaufenden Wasser bis nach HAMBURG haben wir bis zu 3,5 Knoten Strömung gegen an. Bei einer Marschgeschwindigkeit von 6 Knoten durchs Wasser blieben dann nur 2,5 Knoten Geschwindigkeit über Grund übrig.

Wir waren somit noch knapp im Zeitrahmen wenn wir schnell genug durch die Schleuse kommen. Als wir uns dem Schleusenbereich BRUNSBÜTTEL näherten, konnten wir bereits von Weitem die geöffnete Schleusenkammer und das Lichtsignal zur freien Einfahrt für Sportboote sehen. In der Schleusenkammer waren neben zwei Berufsschiffen weitere Sportboote zu erkennen. Jetzt wurde es spannend. Kämen wir jetzt nicht mit hätten wir sicherlich einige Stunden warten müssen bis sich wieder eine lohnenswerte Anzahl Sportboote für die nächste Schleusung eingefunden hat. Mit Vollgas und einer Menge Glück schafften wir es gerade noch rechtzeitig. Als wir mit dem Heck das Schleusentor passierten springt das Signal auf Rot und das Tor wurde geschlossen. Eine hinter uns fahrende Yacht musste abdrehen und kam nicht mehr mit. In der Schleuse ging es glücklicherweise etwas professioneller zu als tags zuvor in HOLTENAU. Nach 10 Minuten wurden wir auf die ELBE entlassen und es fühlte sich gleich wieder heimisch an, als wir von der Strömung mitgenommen wurden und auf dem braunen Elbwasser mit 10 Knoten Geschwindigkeit über Grund Richtung Hamburg rauschten. Bei gutem Wetter genossen wir in T-Shirt und kurzer Hose die 40 Seemeilen auf der Elbe. In den Hamburger Hafen einzulaufen ist immer wieder etwas Besonderes. Es herrscht wilde Betriebsamkeit, Containerschiffe laufen aus oder werden von Schleppern an die Pier gedrückt. Dazwischen fahren Barkassen, Fähren, Binnenschiffe und Sportboote. Wir wurden bereits vom Hafenmeister erwartet und machten gegen 1800 Uhr im CITY SPORTHAFEN HAMBURG fest. Noch Zeit genug, um abends über die Reeperbahn zu schlendern und ein Astra zu trinken.

Hier werden wir am Hafengeburtstag teilnehmen, die Paraden mitfahren und sicherlich eine Menge Spaß haben. Wir sind dankbar hier einen Liegeplatz bekommen zu haben, um hier unsere diesjährige Reise ausklingen zu lassen. In der letzten September Woche wollen wir zurück in Cuxhaven sein und bis dahin natürlich weiter berichten.

10.09.2022 NORD-OSTSEE-KANAL. Nach einigen Tagen Regen mit schneller Luft aus der falschen Richtung ging es heute endlich weiter. Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir mit Zwischenziel KIEL-HOLTENAU ausgelaufen, um dort durch die Schleuse in den Kanal zu gelangen. Dieser ist knapp 100km lang, wurde 1895 als Kaiser Wilhelm Kanal eröffnet und gilt heute, nach einigen Ausbaustufen, als eine der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen weltweit. Das Ein- und Ausfahren durch die Schleusen in HOLTENAU und BRUNSBÜTTEL ist immer wieder spannend, die Kanalfahrt selber eher Langweilig. Wir haben Glück und können in einem Zuge in die Schleuse einfahren, einige der Sportboote vor uns mussten über eine Stunde warten. In der Schleusenkammer müssen Sportboote hinter den Berufsschiffen festmachen und nach der Schleusung als Erstes die Kammer verlassen. Dazu ertönt ein akustisches Signal, per Lautsprecheranlage werden die Sportboote aufgefordert auszufahren und eine Ampel gibt die Ausfahrt frei. Eigentlich ganz einfach, wenn nicht jeder der Erste sein wollte. Es werden von einigen Skippern wirre Kommandos und zu viel Gas gegeben. Bugstrahlruder strahlen in alle Richtungen und es kommt zu „Beinahe Kollisionen“ in dessen Folge sich zwei Skipper gegenseitig beschimpfen. Dass die Besatzungen der Berufsschiffe oft keine gute Meinung von uns Freizeitkapitänen haben verwundert nicht. Das erfahren wir als wir vor der ersten Engstelle im Kanal ein wartendes Containerschiff passieren. Auf Höhe seines Bugs wird ohne ersichtlichen Grund das Querstrahlruder betätigt und wir werden dadurch beinahe vor einen Dalben gespült. Da weder Wind noch Strömung herrschten gehen wir davon aus, dass dies aus reiner Gehässigkeit gemacht wurde. Wir sind glücklicherweise mit einem riesigen Schrecken und ohne Schaden davon gekommen. Hätten wir mit unseren 5 Knoten Geschwindigkeit den Dalben frontal erwischt wäre der Schaden enorm und Reise beendet gewesen. Ich (Dirk) gebe zu, kurz darüber nachgedacht zu haben das Containerschiff zu entern. Gut, dass wir zu zweit sind und gemeinsam meist sinnvollere Lösungen finden. Somit machen wir um 1500Uhr ohne weitere Zwischenfälle im GIESELAU-KANAL fest. Am nächsten Morgen soll es die letzten 20 Meilen durch den KANAL und dann weiter über die ELBE nach HAMBURG gehen.

01.09.2022 Ostseebad DAMP, DEUTSCHLAND. Wir sind jetzt seit fünf Monaten unterwegs, hatten eine großartige Zeit auf unserer bisherigen Reise und es freut uns trotzdem, zurück in DEUTSCHLAND zu sein. Aufgrund der Wettervorhersagen zwischen den „Boat Office Days“ hatten wir uns entschlossen, DÄNEMARK möglichst schnell hinter uns zu lassen. Somit sind wir von GRENAA, DK bis MIDDELFAHRT, DK gesegelt, haben dort einen nächtlichen Stopp eingelegt, um am Folgetag über SONDERBORG, DK nach DAMP in DEUTSCHLAND zu segeln. Hier liegen wir hier gut geschützt im recht vollen Hafen, umgeben vom Touri-Trubel der Nachsaison. Auch Schleswig-Holstein gehörte im 7. und 8. Jahrhundert zum Kerngebiet der Wikinger und passend zum Abschluss unserer diesjährigen Norwegen Reise sind Wikinger Wochen in Damp. Die Promenade ist nett geschmückt, am Stand ist ein Wikinger Dorf nachgebaut und an Verkaufsständen werden Mjölnirs und andere Symbole aus der nordischen Mythologie angeboten. Sogar das Bier ist in diesem „Touri Hotspot“ deutlich günstiger als überall in Skandinavien, dazu gab es noch eine Currywurst Pommes Mayo für 8,50€. Jetzt freuen wir uns erstmal über die kleinen Annehmlichkeiten unseres schönen Heimatlandes bevor wir wieder mit den akuten globalen Problemen konfrontiert werden.

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