Reise August 2025

21.08.2025 CUXHAVEN

Seit dem 21.08. sind wir zurück in CUXHAVEN. Etwas früher als geplant aber dieses Wetterfenster wollten wir nutzen, um nach hause zu kommen. Als wir in Brunsbüttel die Schleuse verlassen und auf die Elbe fahren bläst es mit fünf bis sechs Windstärken gegen die Strömungsrichtung des Wassers. Dieser Umstand führt besonders auf dem Abschnitt zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven zu einer kurzen und steilen Welle. Welcome Home, dachten wir uns. So wird man doch gebührend im etwas raueren Heimatrevier der Nordsee empfangen. Der Liegeplatz in der City Marina ist vorbereitet und wir werden von Hafenmeister Heiko empfangen, so macht ankommen Spaß. Cuxhaven ist schön und abwechslungsreich, hier fühlen wir uns zuhause. Neben allen anstehenden Arbeiten am Boot werden wir auch die Zeit in der Heimat genießen, bevor es nächstes Jahr wieder auf Reise gen Norden geht.

Die nächsten Einträge über die Arbeiten am Boot werden wir unter Refit 2020/26 einstellen.

17.08.2025 LABOE

Unsere Lieblings Strand Bar in LABOE

Nach ziemlich genau drei Monaten hat sich heute unsere Kurslinie wieder gekreuzt. Im Mai sind wir dem Fahrwasser der Kieler Förde nach Norden gefolgt, um dann weiter nach AERØ in Dänemark zu segeln. Heute kommen wir aus Osten und laufen wieder in LABOE ein. Jetzt stehen zwei Tage Boat Office in der Baltic Bay Marina an, am Mittwoch wollen wir bis zur Gieselau-Schleuse im Nord- Ostsee Kanal kommen und am Donnerstag über die Elbe bis nach Cuxhaven segeln. Wenn auf den letzten 90 Meilen nichts unvorhergesehenes passiert wird dies auch der letzte Eintrag zu dieser Reise sein. Sofern Zeit und Motivation es zulassen werden wir hier unter Refit 2025/26 über den Fortschritt der Arbeiten am Schiff informieren.

Segeln wird als die unbequemste, langsamste und teuerste Art der Fortbewegung beschrieben. Teuer vor Allem, weil viel Zeit und Geld investiert werden müssen, um das Boot in Fahrt zu halten. In vielen Häfen mit angrenzenden Winterlagern liegen tolle Schiffe, die ihre besten Zeiten hinter sich gelassen haben. Sie erinnern uns immer wieder an unseren Germanen, den wir verlassen in einem traurigen Zustand entdeckt hatten. Viele Eigner wurden zu alt und/oder wollten sich dies eingestehen. Zurück bleibt ein einst stolzes Schiff, dass einsam vor sich hin rottet. Da oft der richtige Zeitpunkt zum Verkauf verpasst wurde oder die Preisvorstellungen utopisch sind, findet sich nur in seltenen Fällen jemand der es wieder fit macht. Vor allem letzteres wird uns nach Rückkehr beschäftigen. Germane braucht den Winter über eine Menge Aufmerksamkeit und kommt dazu im Winterlager in eine Halle. Neben Schlosser- und Farbarbeiten im Decksbereich muss neues Antifouling am Unterwasserschiff aufgetragen werden. Die Wellenanlage soll ein Drucklager zwischen Getriebe und Wellentunnel bekommen, um lästige Vibrationen unter Maschine zu verringern. Sicherheitshalber wollen wir auch die Gasanlage zum Kochen erneuern. Neben den allgemeinen Verpflichtungen des Lebens also noch eine Menge zusätzlicher Arbeit, die uns einiges abverlangen wird. Dennoch sind wir hoch motiviert, da nach der Reise auch wieder vor der Reise sein wird.

Zusammengefasst können wir sagen, dass unsere Vorstellungen zur diesjährigen Reise vollends erfüllt wurden. Hans sollte unter einfachen Bedingungen an das Bordleben gewöhnt werden und dabei möglichst viel Strecke unter Segeln zurück legen. Wir wollten uns die Route vom Wind vorgeben lassen, herausgekommen ist dabei diese Reise. Hans ist in den vergangenen vier Monaten zu einem ordentlichen Segelhusky herangewachsen, obwohl Segeln nicht zu seiner Lieblings Fortbewegungsart werden wird. Wir waren so entspannt wie nie zuvor unterwegs, da wir nach den Boat Office Tagen nicht zwischen Wetterfronten hetzen mussten, um entfernte Orte zu erreichen. Das Seegebiet der Dänischen Südsee und der Deutschen Ostsee ist schön und einfach zu befahren. Die Häfen liegen dicht beieinander und verfügen über eine gute Infrastruktur. Die Gegenden sind abwechslungsreich und haben von ruhiger Natur bis touristischem Trubel alles zu bieten. Es war insgesamt eine schöne Reise aber es fehlte etwas Abenteuer. Mit unserer Stahl-Fahrtenyacht kamen wir uns zwischen den sonst hier vertretenen Serien-Plastikyachten doch etwas falsch aufgehoben vor. Ähnlich muss sich ein Camper fühlen, der mit Sandblechen an seinem Offroad-Wohnmobil in Cuxhaven auf der Beton Platte steht. Kann man sicherlich mal so machen, muss aber nicht jährlich wiederholt werden. Außer dem Helgoland Marathon 2026 haben wir noch keine konkreten Pläne für die nächste Reise. Hans ist dann aber alt genug, um mit uns auf einen Gletscher klettern zu können. Mal sehen wo die Reise hingeht.

12.08.2025 FEHMARN

In der deutschen Ostsee ist die Hölle los. Aller höchste Hochsaison und wir sind mittendrin. Hört sich erstmal schlimm an, ist aber gar nicht, denn wir liegen hier prima. Der Hafen von Burgstaaken ist eigentlich genau so wie wir Häfen mögen. Rustikal mit maritimem Flair, ohne Schickimicki. An den Stegen liegen Yachten von Dauerliegern. Im Gegensatz zu den Charterflotten ist diesen Booten anzusehen, dass ihre Eigner sie mit viel Liebe und Mühe in Fahrt halten. Beim „Boote kucken“ im Hafen sieht man immer wieder individuelle Lösungen, die Anregungen für Verbesserungen am eigenen Boot geben. Zum Gesamtbild gehört aber auch eine verwahrloste Yacht, die sinnbildlich für geplatzte Träume steht. Angrenzend an den Yachthafen ist eine Werft mit Winterlager. Die Dauerlieger finden nur gute Worte über den Werftbetrieb, sie kämen daher schon seit 20 Jahren hierher. Sie seien zuverlässig, kompetent und fair. Aus eigenen Erfahrungen können wir sagen, dass dies in dieser Branche nicht weit verbreitet ist. Nebenan ist der Gemeindehafen in dem Berufsschiffe mit Getreide beladen werden. Es beeindruckt immer wieder wie professionell die Kapitäne ihre beladenen Schiffe rückwärts aus dem engen Hafen heraus manövrieren. Da Simone zwei Wochen am Stück Urlaubsvertretung übernehmen muss und in Kiel am Wochenende das Ocean Race Europe startet belieben wir noch hier. Trubel hatten wir in den letzten beiden Häfen schließlich genug. Durch Zufall passt unsere Verlängerung in die Urlaubspläne von Dirks altem Kumpel Dirk, seiner Frau Tina und Beagle Monti. Anders als bei Seglern müssen Camper sich schon lange im Voraus um einen Stellplatz bemühen. Als sie sich vor drei Wochen entschlossen ein langes Wochenende auf Fehmarn zu verbringen, war nur noch mit viel Glück ein Platz zu bekommen. Wie der Zufall es so will, haben sie unser AIS-Signal auf Fehmarn gesehen und kommen ganz spontan vorbei. Anfang des Jahres hatten wir uns nach über 30 Jahren das erste Mal in Cuxhaven wiedergesehen. Jetzt freut es uns um so mehr, gemeinsam eine Runde segeln zu können. Die Bedingungen sind mit 10 Knoten Wind ohne Welle wie bestellt. Die beiden Hunde verstehen sich prima indem sie sich an Bord einfach ignorieren. Auch wenn die gemeinsame Zeit wieder viel zu schnell vergeht, ist Germane zu langsam. Bei diesen guten Bedingungen fehlt mindestens ein Knoten Geschwindigkeit. Beim folgenden Tauchgang zeigt sich starker Bewuchs am Unterwasserschiff in Form von Seepocken. Das letzte Mal hatten wir Germane auf Helgoland abgetaucht und dabei das Unterwasserschiff gereinigt. Der jetzige Bewuchs gleicht im Umfang dem den wir zuletzt im Mai entfernt hatten. Nur, dass dieser jetzt in nur drei Monaten gewachsen ist. Nach Rückkehr muss Germane unbedingt aus dem Wasser, der Hallenplatz für den Winter ist bereits reserviert. Jetzt gilt es noch die letzten Wochen unserer diesjährigen Reise zu genießen, bevor es zurück in das Winter- Arbeitslager nach Cuxhaven geht.

02.08.2025 BURGSTAAKEN, FEHMARN

Motoryacht mit Unterwasserbeleuchtung in Kühlungsborn

Den ursprünglichen Plan Wismar und Lübeck anzulaufen haben wir aufgrund des anhaltenden Windes aus Südwesten verworfen. Dies wäre nur mit mühseligem Aufkreuzen und Zuhilfenahme des Diesels möglich gewesen. Auf passendes Wetter wollen wir hier nicht mehr warten, denn nach einer Woche in Kühlungsborn ist es an der Zeit weiter zu ziehen. Der touristische Trubel geht uns so langsam auf den Keks und auch das Umfeld der Yachties wird immer skurriler. Anfangs dominierten hier Yachten, die von Familiencrews oder Paaren zum Segeln und Reisen genutzt wurden. So langsam ändert sich dieses Verhältnis aber zu großen Motoryachten mit Unterwasserbeleuchtung und weiterem nutzlosen Schnickschnack. Schon beim Einlaufen dieser teuren Yachten ist deren Schwerpunkt erkennbar. Auffallen ist wichtiger als das Bootfahren an sich. Dank Assistenzsystemen scheint weinig nautisches Können nötig zu sein, um diese Luxuspontons zu bewegen. Der Eigner steht beim Anlegemanöver mit einer Fernbedienung in der Hand auf der Flybridge und manövriert seinen Luxusponton möglichst umständlich an seinen Liegeplatz. Vom finanziellen Hintergrund ganz abgesehen ergeben sich auch sonst wenig gemeinsame Schnittmengen in dieser Nachbarschaft. Die heutige Windrichtung ist gut für einen am Wind Kurs nach Fehmarn. Je nach Wetter können wir von dort noch einen Abstecher nach Kiel machen, bevor es durch den Nord- Ostseekanal nach Hause geht. Germane scheint Heimweh zu haben und legt sich ordentlich ins Zeug. Trotz Bewuchses am Unterwasserschiff machen wir bei fünf Windstärken bis zu 7,5 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser. Die kurze Ostseewelle lässt bei Hans anfangs erste Anzeichen von Seekrankheit erkennen. Rasmus meinte es aber gut mit ihm und lies den Wind später seitlicher einfallen. Auf Halbwindkurs segelt Germane wieder aufrechter und sofort geht es auch Hans besser. Die 27 Seemeilen haben wir in 4½ Stunden zurückgelegt und hatten einen schönen Segeltörn. Glücklicherweise konnten wir vor Abfahrt einen Liegeplatz in Burgstaaken reservieren, an dem wir zur Freude von Hans seitlich festmachen. Hier liegen wir wieder unter „normalen“ Menschen. Die Hafenanlage ist rustikal und das Liegegeld angemessen. Der Hafen besteht mit Masse aus Dauerliegern, Gästeplätze werden nur vergeben wenn der eigentliche Liegeplatzinhaber auf Reise ist. Wir kennen Fehmarn bereits aus vorausgegangenen Reisen und freuen uns darauf Hans diese schöne Insel zu zeigen.