NORWEGEN Juni 2024

30.06.2024 RISØR

Nachdem die Deutsche Nationalmannschaft am Vorabend gegen Dänemark gewonnen hat machen wir uns auf den Weg ins 18 Seemeilen entfernte RISØR. Der Weg dorthin führte wieder einmal durch die schöne Schärenlandschaft Südnorwegens. Da der Wind zum Segeln fehlte sorgte der Motor für Vorschub und ließ Germane mit 6 Knoten durchs Wasser laufen. Die Urlaubssaison hat begonnen und die Wasserflächen werden voller. Als wir gegen Mittag in den Gästehafen von RISØR einlaufen ist dieser schon gut gefüllt. Einige der Yachten kennen wir bereits aus vorausgegangenen Stopps, diesmal nimmt eine bekannte niederländische Crew unsere Leinen entgegen. Während der Saison scheinen die Norweger ihre Häfen mit Schwimmpontons zu erweitern. Diese liegen dann vor den Schutzwällen/ Wellenbrechern der eigentlichen Häfen und bieten wenig Schutz vor dem Schwell vorbeifahrender Boote. Da die Norweger schnelle und hochmotorisierte Motorboote lieben, kann man sich vorstellen, dass selbst bei Flaute eine Menge Bewegung in den Gästehäfen dieser Bauart ist. Als wir zu Fuß auf Erkundungstour im inneren Hafen unterwegs sind, können wir uns glücklicherweise einen frei werdenden Platz erschangeln. Der dort liegende Einhandsegler will in Kürze los und wir verholen Germane auf seinen Platz. Dazu muss an einer Heckboje festgemacht werden, um dann mit dem Bug voraus zur Pier zu fahren. Ein Anlegemanöver welches nicht zu unseren Königsdisziplinen zählt. Entsprechend unprofessionell eiern wir an der Boje herum bis wir mit den Vorleinen Germanes Bug in die richtige Position an der Pier gebracht haben. Liebenswerter Weise hilft uns der dänische Skipper vom Nachbarboot, indem er von der Pier unsere Leinen entgegen nimmt. Gut, dass er uns das Ausscheiden seiner Mannschaft nicht übel nimmt. Hier liegen wir jetzt gut geschützt und zentral an der Flaniermeile des Orts mit seinen Restaurants, Kneipen und kleinen Geschäften.

25.06.2024 TVEDESTRAND

Die 26 Meilen nach Twedestrand haben wir mit einem kurzen Tankstopp in Arendal unter Maschine im Nebel zurück legen müssen. Der Wind war zu schwach zum Segeln, dadurch konnten sich zum Teil dichte Nebelfelder auf See halten. Zwangsläufig mussten wir wieder einmal unsere Fähigkeiten im Umgang mit dem Radar vertiefen. Es beruhigt ungemein, nicht blind einer Kurslinie auf dem Plotter folgen zu müssen. Die ganze Szenerie hatte etwas mystisches. Zwischen unzähligen Untiefen dieselten wir durch den Nebel. Die Hindernisse zeigten sich deutlich auf dem Radarbild und wurden erst beim Näherkommen schemenhaft sichtbar. Hin und wieder sahen wir ein Radarecho welches nicht auf der Seekarte verzeichnet war, sich dann später aber als kleines Fischerboot entpuppte. Twedestrand liegt etwa 6 Meilen landeinwärts am Ende eines kleinen Fjords. In der Zufahrt lichtete sich der Nebel und an den felsigen Hängen wurden die typischen kleinen weißen Holzhäuser sichtbar. So ziemlich jedes Haus hat eine lange Treppe hinab zum eigenen Steg, manche haben zusätzlich noch eine Bootsgarage. Wir machen am Gästepier in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt mit einigen Restaurants und Kneipen fest. Eine junge Norwegerin, die den Job als Hafenmeister vermutlich als Ferienjob ausübt, erklärt uns mit einem breiten Grinsen, dass hier eigentlich alles kaputt ist. Der Strom an unserem Steg sei abgestellt, da irgendein Fehler vorliegt. Die Sanitäranlagen würden gerade renoviert, wir könnten aber die öffentlichen Toiletten nutzen. Waschmaschinen gäbe es auch nicht, glaubt sie. Trotzdem, uns gefällt es hier! Hier liegen wir gut geschützt vor dem schlechten Wetter der nächsten Tage und Strom können wir mit unserem Windgenerator und den Solarpanelen selber produzieren.

23.06.2024 GRIMSTADT

Pünktlich zum Mittsommerfest laufen wir in Grimstad ein. Den Großteil der 16 Meilen konnten wir bei schwachem Wind segeln. Bei kurzen Abständen wie heute ist es egal, ob wir uns unter Segeln mit nur 4 Knoten fortbewegen, da bleibt der Motor aus. Grimstadt ist eine gemütliche Kleinstadt, geprägt durch seine weißen Holzhäuser und verwinkelte, enge Gassen im Stadtkern. Der Hafen füllt sich mit geschmückten Booten aus der Umgebung, die der Live Musik vom Wasser aus folgen. So schnell sich der Hafen und die angrenzenden Wasserflächen gefüllt haben, so schnell löst sich das Spektakel auch wieder auf als die Musik verstummt. Von der eigentlichen Mittsommernacht von Samstag auf Sonntag haben wir in unserer Ankerbucht nichts mitbekommen. Hier stehen für die nächsten zwei Tage Sport und Boat Office an, danach soll es weiter gehen. Die verschiedenen Vorhersagemodelle sind sich einig, dass Wetter bleibt für die nächsten Tage stabil.

21.06.2024 Ankerbucht BLINDLEIA 58°12.4’N 008°20.3’E..

Der Sommer ist zurück in Norwegen und wir setzen unseren Plan weiter um, in kleinen Schlägen entlang der Südküste bis nach OSLO zu segeln. Die BLINDLEIA ist ein Wasserweg der gut geschützt hinter vorgelagerten Inseln hindurch führt und die Küstenorte KRISTIANSAND und LILLESAND verbindet. Wir haben diese Strecke noch von unserer letzten Norwegen Reise in Erinnerung und wollen uns dieses Jahr etwas mehr Zeit dafür nehmen. Das erste Stück der insgesamt 14 Seemeilen können wir bei leichtem achterlichen Wind segeln, an den ersten Engstellen rollten wir die Segel ein und lassen den Motor schieben. Obwohl wir wissen, dass Germane überall durch passt, steigt der Puls an einigen Stellen an. Aus unserem Cuxhavener Heimatrevier sind wir es einfach nicht gewohnt Felsen unter und neben uns zu sehen, auch mit Durchfahrtshöhen haben wir dort wenig zu tun. Gegen 14 Uhr fällt der Anker in einer kleinen Bucht, die wir uns mit drei weiteren Booten teilen.

18.06.2024 Hafenkino Episode XXX

Das die Segelsaison begonnen hat bemerken wir nicht nur an den steigenden Hafengebühren, auch im Hafen wird einiges geboten. Das unter Seglern beliebte Hafenkino ist eröffnet und die Akteure geben sich viel Mühe alle Anwesenden in Erstaunen zu versetzen. Aus sicherer Entfernung mag das auch lustig anzuschauen sein. Sobald im engen Hafen aber ein Liegeplatz in der Nähe des eigenen Boots frei wird, ist man schnell selber Akteur einer solchen Vorführung. Vorweg ist anzumerken, dass wir uns auch schon dämlich angestellt haben, obwohl wir mit unserem Bugstrahlruder gut ausgerüstet sind. Hier aber zwei Beispiele die uns trotz allem Verständnis zum Staunen brachten:

Eine norwegische Familie fährt mit ihrer 12m Hanse (Serienplastikyacht) rückwärts in den Hafen hinein. Auf der einen Seite haben längsseits am Ponton Motoryachten festgemacht, am Ponton gegenüber befinden sich Fingerstege, zwischen denen wir neben weiteren Yachten liegen. Die verbleibende Breite in der Zufahrt beträgt ungefähr eine Bootslänge von 12m. Um in den anvisierten Liegeplatz zu kommen muss die Familie mit ihrem Segler erst an unserm Heck vorbei (Wir liegen mit dem Bug voraus zum Steg), um danach neben uns in die Box zwischen die Fingerstege zu kommen. Diese Box ist ungefähr 4,5m breit. Auf der Yacht steht der Vater am Ruder, Mutter und Tochter mittschiffs, der Sohnemann sitzt im Cockpit und passt auf den Hund auf. Der Wind weht mit ca.12 Knoten in Richtung Steg und somit seitlich auf die einlaufende Yacht. Offensichtlich will man rückwärts mit dem Heck an den Steg, um dann gemütlich über die Badeplattform an Land gehen zu können. So wohl zumindest der Plan, der dann aber gründlich in die Hose geht. Im Ergebnis liegt die Yacht längsseits an unserem Heck und die gesamte Mannschaft ist mit vereinten Kräften damit beschäftigt sich von uns wegzudrücken und dabei unsere Reling zu verbiegen. Bis auf die verbogene Reling erstmal ein sehr löblicher Ansatz, nur steht jetzt keiner mehr am Ruder der steuert und die Maschine bedient. Die Aufregung ist groß und strukturierte Aktionen zur Problemlösung sind nicht erkennbar. Hier bleibt uns nur noch übrig eine Leinenverbindung herzustellen, um Yacht und Mannschaft entlang unseres Hecks in die Box zu ziehen. Glücklicherweise lassen wir neben der verbogenen Reling nur etwas Farbe, die sich deutlich auf dem weißen Plastikrumpf abzeichnet. Nunja, kann vielleicht passieren wenn man mit der Situation überfordert ist weil man die Begebenheiten falsch einschätzt hat. Zumindest ein „Sorry“ oder „is there any damage at your Boat?“ hätten wir schon erwartet. Hier wurde einfach das Boot festgetüddelt und dann ein Eis essen gegangen.

Der zweite Einsatz ließ auch nicht lange auf sich warten. Diesmal eine auslaufende 12m lange Bavaria (Serienplastiksegelboot). Der Wind hat mittlerweile gedreht und weht mit etwa 15 Knoten entlang der „Boxengasse“. Diese Yacht lag mit dem Heck zum Steg und hätte nur vorwärts aus der Box fahren müssen, um dann in die Boxengasse abzubiegen. Das hieße entweder ordentlich Gas geben, damit der Bug in den Wind dreht, oder den Bug durch den Wind in die andere Richtung drücken lassen und rückwärts durch die Boxengasse zum Ausgang fahren. Hier wurden leider die physikalischen Grundsätze des „Auto vom Aldi Parkplatz fahren“ angewendet. Dies konnte heute, aufgrund des Seitenwinds und ohne Räder mit Bodenhaftung, nicht funktionieren. Im Ergebnis trieb die Yacht quer durch die Boxengasse und schrammte mit ihrem Ankergeschirr entlang der längsseits liegenden Motoryachten. Der Skipper stand in Schockstarre am Ruder und war nur noch stiller Beobachter großer Ereignisse. Als sie auf unserer Höhe angekommen waren ließen wir uns eine Leine herüberwerfen, um eine Leinenverbindung herzustellen. Somit wurde zumindest weiterer Schaden verhindert. Die Leine war mittschiffs auf deren Mittelklampe befestigt und wir belegten das andere Ende auf unserer Heckklampe. Jetzt mussten wir dem Skipper nur erklären, dass er voraus einkuppeln muss und das Steuerrad nach links drehen soll. Als die Yacht nun in die stramme Leine dampfte kam sie frei und drehte mit dem Bug in die „Boxengasse“ Richtung Ausgang. Leider war der Skipper immer noch nicht Herr seiner Sinne und hat nicht wahrgenommen, dass noch die Leinenverbindung zu unserem Heck bestand. Auf die Zurufe er solle auskuppeln damit wir die Leine loswerfen können reagierte er nicht, sondern gab Gas. Trotz der Gefahr, dass er sich die Leine in den Propeller zieht, mussten wir sie loswerfen, um nicht selber Schaden zu nehmen. Er hat hierbei einfach nur Glück gehabt, dass dies nicht passiert ist.

Diese Erlebnisse hinterlassen einen etwas bitteren Beigeschmack. Es kann immer passieren, dass ein Anlegemanöver misslingt und Schaden entsteht. Es sollte aber zu erwarten sein, dass sich danach vernünftig über die Schadensregulierung unterhalten wird. Im letzten beschriebenen Fall wurde sich einfach entfernt ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern. Auch die völlige Überforderung der Skipper, in diesen nicht bedrohlichen Lagen, macht uns nachdenklich. Wie sollen solche Crews funktionieren, wenn sie auf See in Schwierigkeiten geraten und keine Hilfe vor Ort ist.

16.06.2024 KRISTIANSAND

Der Südküste sind etliche kleine Inseln vorgelagert, die guten Schutz gegen die Wellen der offenen See bieten. Zwischen diesen Inseln führen teils enge aber gut markierte Fahrwasser hindurch. Wir segeln unter Vorsegel und machen dabei 6 Knoten Fahrt. Nur an einigen Engstellen starten wir sicherheitshalber den Motor und lassen ihn ausgekuppelt mitlaufen. Zu gruselig ist die Vorstellung hier durch sich plötzlich verändernde Wind- und Strömungsverhältnisse auf die Felsen gedrückt zu werden. Im Vergleich zu unseren vorausgegangenen Etappen ist es heute eine Kaffeefahrt. Als wir jedoch auf den Gästehafen von Kristiansand zulaufen sehen wir, dass dieser wenig Schutz bei den heutigen Wetterverhältnissen bietet. Die Anleger bestehen aus Schwimmpontons mit Fingerstegen und nehmen jede Wellenbewegung mit. Die dort liegenden Yachten schaukeln wie verrückt und zerren an ihren Festmacherleinen. Die Vorhersage für die nächsten Tage verspricht keine Besserung und ab morgen steht wieder Boat Office an. Mit etwas Glück und dem Vorteil des variablen Tiefgangs finden wir aber einen freien Liegeplatz im inneren Bereich des Hafens. Dieser ist durch eine Steinmole zur See hin abgegrenzt und bietet besseren Schutz. Hier liegen wir für die Office Tage erstmal gut und hoffen auf Wetterbesserung für die Weiterfahrt. Der Hafen füllt sich mit Yachten aus Norwegen, Schweden, Dänemark, England und Deutschland. Je weiter wir der Südküste folgen je weiter steigen scheinbar auch die Preise fürs Liegegeld. Hier sind umgerechnet knapp 40€/ Tag fällig, Strom und Duschen kostet extra. Da können wir nur hoffen, dass der Sommer dieses Jahr auch nach Norwegen findet und wir noch einige Tage vor Anker verbringen können.

13.03.2024 MANDAL

Großangelegte Kontrolle von Polizei und Zoll in EGERSUND. Zur Freude von Simone kam auf Germane auch ein Drogenspürhund zum Einsatz. Die Beamten waren freundlich und professionell, sie fragten ob wir etwas zu verzollen hätten, kontrollierten unsere Ausweise und Bootspapiere. Zudem notierten sie sich unser Call Sign und die MMSI (Maritime Mobile Service Identity). Sie gaben sich mit der Aussage zufrieden, dass wir bereits alles online über die Norwegische Zoll App verzollt haben. Nachdem es bei uns keine Beanstandungen gab, konnten wir uns endlich auf die Reise Richtung Südküste begeben. Auf dieses Wetterfenster haben wir eine Woche lang gewartet. Die verschiedenen Wettervorhersagemodelle waren sich alle halbwegs einig, wobei das Europäische ECMWF Modell wieder einmal das Genaueste war. Im Schnitt hatten wir 16 Knoten achterlichen Wind, der in Böen mal auf 22 Knoten anstieg. Selbst an den Kaps LYSTA und LINDESNESS war die See verhältnismäßig ruhig. Insgesamt war es ein herrlicher Tag unter Segeln, bei dem wir 62 Seemeilen in 12,5 Stunden nahezu emissionsfrei zurücklegen konnten.

01. – 05.06.2024 STAVANGER – TANANGER – EGERSUND

Das die Westküste Norwegens nicht als Schönwettergebiet bekannt ist wird auch dieses Jahr wieder deutlich. Die Wetterfenster zum Weiterkommen sind entweder zu klein, passen nicht in die freien Tage zwischen dem Boat-Office oder wir sind einfach nicht seefest genug. Alles zusammen hat uns die diesjährigen Reisepläne anpassen lassen. Da wir es bis zum 01. Juni nicht weiter nach „oben“ geschafft haben, soll Stavanger nun der nördlichste Punkt unserer diesjährigen Reise bleiben. Wir werden zurück nach Süden segeln, um den uns noch nicht bekannten Teil der Südküste bis nach Schweden zu erkunden. Als sich ein kleines Wetterfenster auftat sind wir zunächst in das 15 Seemeilen entfernte TANANGER gesegelt, um am nächsten Tag den längeren Schlag von 42 Seemeilen nach EGERSUND zu machen. Die Vorhersage versprach zwar keine perfekten Bedingungen aber Windstärke und Richtung sollten passen. Allein die vorhergesagte Wellenhöhe von gemittelten 2,6m ließ erahnen, dass es schaukelig wird. Der erste Schlag nach Tananger war wie aus dem Bilderbuch. Der Wind war mit 20 Knoten zwar stärker als vorhergesagt, dafür waren die Wellen niedriger. Als wir uns am nächsten Tag auf das lange Stück nach Egersund begaben wurde die Hoffnung auf ähnliche Verhältnisse jedoch jäh enttäuscht. Die ersten 10 Meilen mussten wir unter Motor gegen Wind und hohe Wellen anfahren. Als wir den Kurs endlich ändern konnten, um die Segel zu setzen wurden auch die Wellen höher. Die genaue Höhe ist schwer einzuschätzen und mit dem Fotoapparat nicht einzufangen. Zumindest waren sie so hoch, dass im Wellental die gesamte Küstenlinie auf der einen Seite verschwand und auf der Anderen ein entgegenkommender Segler bis zur Mastspitze weg war. Hinzu kam, dass der Wind unbeständig in Richtung und Stärke war. Das Segeln wurde so zu einem Wechselspiel zwischen trimmen, reffen und Kurs anpassen. Als wir nach 6,5 Stunden auf See in den geschützten Egersund einliefen waren wir froh um eine Erfahrung reicher zu sein. Unser großer Vorteil unter solchen Bedingungen ist, dass Germane das locker wegsteckt. Der limitierende Faktor auf unserem Boot ist glücklicherweise „nur“ die Crew.