Reise Juni 2025

21.06.-02.07.2025 KLOSTER, Insel Hiddensee

Das es uns hier richtig gut gefällt hatten wir zuvor bereits erwähnt. Es gefällt uns sogar so gut, dass wir einige Wetterfenster ungenutzt vorbei ziehen lassen und einfach noch bleiben. Die Insel hat es uns mit ihrer Vielfalt an Landschaft und Natur angetan. Wir machen lange Spaziergänge entlang des Klippenwanderwegs zum Leuchtturm oder einfach nur den Strand entlang. Segelhusky Hans ist schnell bekannt wie ein „bunter Hund“ und genießt die Aufmerksamkeit, die er oft von wildfremden Menschen erhält. Wir verbringen schöne gemeinsame Stunden mit unseren Freunden Michael und Sarah, die wir vor zwei Jahren in Schweden kennengelernt haben. Michaels Job als Hafenmeister gibt uns auch einen kleinen Einblick in das Geschehen hinter die Kulissen des täglichen Hafenkinos. Michael ist mit Freude und persönlichem Einsatz bei der Arbeit. Wir bewundern immer wieder seine Gelassenheit im Umgang mit teilweise unverschämten Besuchern. Viele Häfen sind schon dazu übergegangen auf einen Hafenmeister zu verzichten. Früh morgens wird lediglich kontrolliert, ob an jedem Boot ein Bezahlschein aus dem Kassenautomat hängt. Die Liegeplatzverteilung erfolgt dort nach dem Motto: Wer zu erst kommt hat freie Auswahl, egal wie groß sein Boot ist. Schon oft haben wir erlebt, dass kleinere Boote auf Liegeplätzen für große Boote liegen, oder durch zu große Abstände einfach Platz verschenkt wird. Dies ist besonders ärgerlich, wenn man nach einem anstrengenden Tag auf See einläuft und keinen Platz findet. Im Ergebnis ist der Ostseesegler schon Mittags im Hafen, um sich möglichst den besten Platz zu sichern. Nun sollte man eigentlich davon ausgehen, dass jede einlaufende Crew über einen gut organisierten Hafen mit Hafenmeister froh ist. Leider konnten wir, bei einigen wenigen Crews, auch das Gegenteil beobachten.

Hafenmeister: „Legt euch bitte in die Box dort hinten, hier vorne ist für größere Yachten vorgesehen“. Skipper: „Das Boot da vorne ist aber auch nicht größer als unseres, warum dürfen wir dann nicht hier rein?“ HM: „Weil es ältere Leute mit einer Gehbehinderung sind, die nur hier gut vom Boot auf den Steg kommen! „Crew: „Ja, aber wir…..“ Die selbe Crew am nächsten Morgen: „Da wo wir gestern nicht rein durften, liegt jetzt aber ein kleineres Boot als unseres!“ Michael: „Stimmt, da ich Mittags noch nicht weiß wer noch kommt, halte ich große Boxen für große Boote vor. Das kleine Boot ist erst spät eingelaufen, hat von mir für die eine Nacht den letzten freien Liegeplatz bekommen und verholt gleich.: Crew:“ Ja, aber wir…….“ HM: „Würdet ihr bitte absteigen und eure Fahrräder auf der Steganlage schieben?“ Crew: „Warum? Wir haben noch kein Verbotsschild gesehen…“

Das ist nur ein kleiner Auszug von dem was wir sonst noch mitbekommen haben. Auf Hilfestellung bei völlig verrückten Anlegemanövern, Liegegeldprellerei und Großkotzigkeit einzugehen würde hier den Rahmen sprengen. Tiefen Respekt vor allen Hafenmeistern dieser Erde, die gelassen mit Unverschämtheiten umgehen können, Anstand behalten und ihren Hafen gut organisiert haben.

20./21.06.2025 KLINTHOLM, DK – KLOSTER Insel Hiddensee, DE

Nach Abwägung der Vor- und Nachteile haben wir uns gegen einen Besuch von KOPENHAGEN entschieden. Die Wetteraussichten hätten uns dort für mehrere Tage festgehalten, was sicherlich kein schlechter Ort dafür gewesen wäre. Nur hätten wir die ganzen Sehenswürdigkeiten mit Segelhusky Hans nur eingeschränkt besuchen können. Das hohe Liegegeld wäre uns unter diesen Umständen zu teuer gewesen. Somit viel die Entscheidung an die deutsche Küste zu segeln. Der Wind stand günstig und so ging es mit einem kurzen Zwischenstopp in Klintholm, DK, weiter nach Kloster auf Hiddensee. Die Crew war mit der Überfahrt zum Großteil zufrieden. Dirk fand’s toll, Simone findet seitliche Welle immer unangenehm bis Scheiße, Segelhusky Hans hat alles verschlafen. Der Wind viel achterlich mit bis zu 20 Knoten ein, wobei Germane im Schnitt 6,5 Knoten Geschwindigkeit machte. Nach fünf Stunden liefen wir bereits in das Fahrwasser an der nördlichen Spitze der Insel Hiddensee ein. Als wir in Landabdeckung kamen wurde die See wieder glatt. Leider mussten wir kurz darauf die Segel einholen, da der Fahrwasserverlauf keinen segelbaren Kurs zum Wind zuließ. Die großen Wasserflächen hinter der Insel sind trügerisch. Sie können nur innerhalb der markierten Fahrwasser befahren werden. Sie sind eng, flach und stark befahren. Die garantierte Wassertiefe soll laut Seekarte nur 2,5 Meter betragen, bei heruntergelassenem Schwert verbleiben gerade mal 20cm. Zum jetzigen Pfingstwochenende ist der beliebte Hafen gut gefüllt. Unser Vorteil ist aber, dass wir den Hafenmeister kennen. Michael hat uns einen Platz an der Pier reserviert an der wir längsseits festmachen können. Wir haben ihn und seine Frau Sarah vor zwei Jahren in Schweden kennen gelernt. Auch sie waren seit mehreren Monaten unterwegs und arbeiteten auch tageweise im Boat-Office. Durch Zufall hat sich für ihn diese Stelle aufgetan. Flexibel wie die Beiden sind, hatten sie kurzerhand ihr Pläne angepasst, haben hier festgemacht und Michael seinen neuen Job angetreten. Für den Hafen ein Gewinn. Michael hat sichtbar Freude an seinem neuen Job und den Laden gut im Griff. So soll es sein. Ein Hafenmeister der immer ansprechbar ist und selber Segler ist. Er unterstützt beim Anlegen indem er unerfahrenen Crews in seiner gelassenen Art wertvolle Anweisungen gibt und geeignete Plätze zuweist. Wir freuen uns über das Wiedersehen, haben uns einiges zu erzählen und verbringen die heutige Sommersonnenwende gemeinsam auf dem Dorffest. Hiddensee gefällt uns richtig gut. Die Häuser bestehen zum großen Teil aus reetgedeckten Fachwerkhäusern. Die Infrastruktur im Hafen ist gut, alles ist sauber und das Liegegeld günstig. Auf dem höchsten Punkt der Insel seht auf 75 Metern der Leuchtturm Dornbusch. Von hier hat man eine fantastische Aussicht über die Insel. Die nächsten Tage wird es stürmisch. Ab Montag Mittag gilt eine Sturmwarnung des DWD, entsprechend laufen überall die Vorbereitungen. Boote werden verholt oder mit dem Bug in den Wind gedreht. Hier und da werden noch zusätzliche Landleinen gespannt und die Segel gesichert. Die nächsten Tage werden wir hier abwettern und die autofreie Insel zu Fuß erkunden.

15.06.2025 Insel FEMØ

Das zuvor nach Windvorhersage ausgesuchte Reiseziel liegt 33 Seemeilen weiter östlich. Die kleine Insel FEMØ ist ein guter Ausgangspunkt, um je nach Wetter weiter nach KOPENHAGEN oder in Richtung deutsche Ostseeküste zu segeln. Ende des Monats wird es voll in der Dänischen Südsee, dann wollen wir das Gebiet verlassen haben. Bis auf den Wind geht unser Plan auch auf. Von den vorhergesagten 12 Knoten kommen leider nur vier. Zu wenig, um unseren 16to Germanen unter Segeln in Bewegung zu bringen. Aus dem Plan von einem gemütlichen Törn unter Segeln wird eine Fahrt unter Motor. Navigatorisch ist die Strecke wenig anspruchsvoll. Das Queren des Verkehrstrenngebiets ist im großen Belt aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens einfach. Etwas überraschend ist die Strömung, die mit einer Geschwindigkeit von drei Knoten nach Norden läuft. Auf unserem Kurs nach Osten versetzt es uns lediglich ein wenig. Müssten wir hier gegen an fahren, würde es langsam werden. Nach sechs Stunden laufen wir in einen recht leeren Hafen ein und haben fast freie Auswahl des Liegeplatzes. Zu Hans seiner Freude machen wir wieder längsseits fest. Die nächsten drei Tage steht Boat-Office an, danach haben wir vier Tage am Stück zum Weiterkommen. Die Insel macht einen gemütlichen Eindruck. Sie ist nur 11Km² groß und hat 105 Einwohner. Ein feiner Ort, um neben Boat Office, Lauftraining und Nacktbaden die Seele baumeln zu lassen. Mal sehen wie das Wetter unseren weiteren Reiseverlauf vorgibt, vielleicht ist noch ein Besuch im Hard Rock Cafe KOPENHAGEN drin.

13.06.2025 LUNDEBORG, Insel FYN, DK

Eigentlich wollten wir uns die Route vom Wind vorgeben lassen. Der hätte uns dann aber in Bereiche geweht, die wir bereits in den Jahren zuvor bereist hatten. In zwei Tagen soll er drehen, dann können wir weiter in östliche, uns noch unbekannte Gebiete segeln. Da wir auch nicht zu lange an einem Ort bleiben wollen, machen wir uns heute auf einen kurzen Schlag in die „falsche Richtung“. Der kleine Hafen von LUNDEBORG wird im Harbour Guide ganz nett beschrieben, gut geschützte Liegeplätze sollen reichlich vorhanden sein. Platt vorm Wind in Stärke sechs, rauschen wir unter Vorsegel dem nur vier Seemeilen entfernten Hafen entgegen. Entsprechend früh laufen wir ein und hoffen, dass andere Segler bereits ausgelaufen sind und einen guten Platz frei gemacht haben. Genau dieser Moment ist äußerst spannend. Man läuft in einen engen überfüllten Hafen ein, der Wind drückt kräftig von der Seite und die Entscheidung muss schnell getroffen werden, wo angelegt werden soll. Viel Platz ist nicht und den Bug durch den Wind zu drehen gestaltet sich schwierig. Um jetzt nicht Hauptakteur im hiesigen Hafenkino zu werden, muss alles weitere klappen. Mit Hilfe des Bugstrahlruders fummeln wir uns halbwegs elegant in eine hintere freie Ecke und sind froh mit diesem Hilfsmittel ausgestattet zu sein. Ohne wäre dieser Liegeplatz bei den heutigen Verhältnissen unerreichbar gewesen. Vor unserer Ankunft seien nur zwei Yachten ausgelaufen, erfahren wir später. Entsprechend voll ist es auch. Auf der Überfahrt mussten wir feststellen, dass sich irgend ein dickes Federvieh auf den Pfeil unserer Windrichtungsanzeige, den so genannten Verklicker, gesetzt haben muss. Er klemmt und zeigt keine Windrichtung mehr an. Zwar haben wir zusätzlich noch eine elektronische Anzeige, beim Segeln ist der Verklicker aber praktischer. Er ist oben im Masttop angebracht und beim Steuern und Segeltrimmen einfacher im Auge zu halten. Also Klettergurt und Aufstiegshilfen angelegt, ans Spinnackerfall (Lange Leine aus dem Masttop zum Aufziehen eines Leichtwindsegels) getüddelt und mit gemeinsamer Muskelkraft ab nach oben. Was hier so schnell in die Tasten getippt ist, ist in der Praxis deutlich anstrengender. Als kleine Zweipersonencrew steht uns die Sicherheit im Vordergrund. Daher kurbelt Simone mich an einem Fall (Leine) mühselig über die Winsch nach oben, während ich mich unterstützend an einem anderen Fall mit Seilklemmen hochziehe. Der Mast ist knapp 16 Meter lang und steht auf dem Deck, welches einen Meter über der Wasserlinie liegt. Ein langer Weg nach oben, der aber mit schöner Aussicht belohnt wird. Der Windrichtungsanzeiger ist schnell zurecht gebogen und ein paar Fotos von oben sind auch noch drin. Letztere erinnern leider schmerzlich an den Verlust unserer Drohne in Norwegen. LUNDEBORG ist touristischer als LOHALS, trotzdem hat sich die kurze Überfahrt gelohnt. Ein langer Sandstrand schließt sich direkt an den Hafen an. Der ist allerdings so gut besucht, dass Segelhusky Hans angeleint bleiben muss. LUNDEBORG ist bei Campern ebenfalls beliebt, in unmittelbarer Nähe zum Hafen befinden sich ein Campingplatz und mehrere Wohnmobilstellplätze. Durch unsere Fellnasen lernen wir Ulli und Birgit kennen, die mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind. Ulli ist pensionierter Polizist und bei einem bunten Abend am Grill tauschen wir uns über die unterschiedlichen Arten des Reisens aus. Es zeigt sich wieder einmal, dass es eigentlich egal ist wie man reist. Die Hauptsache ist es unterwegs zu sein und dabei eine gute Zeit zu haben. Ob mit Womo, Boot, Moped, Fahrrad oder zu Fuß ist völlig egal. Die dabei gesammelten Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen machen das Reisen aus.

09.06.2025 LOHALS, Insel LANGELAND, DK

Heute ist Pfingstmontag und ordentlicher Segelwind in Stärke fünf bis sechs vorhergesagt. Das verlängerte Pfingstwochenende muss für die meisten Chartercrews ins Wasser gefallen sein. Außer uns sind nur wenige Boote unterwegs. Da wir nicht länger Robinson auf STRYNØ spielen wollten, haben wir uns LOHALS als nächstes Reiseziel ausgesucht. Der kleine Ort am nordöstlichen Ende der Insel LANGELAND soll ein paar Geschäfte und einen Supermarkt haben. In unmittelbarer Nähe zum Hafen soll ein kilometerlanger Naturstrand sein. Bordhund Hans ist mittlerweile zum routinierten Seglelhusky herangewachsen. Sobald wir die Vorbereitungen zum Ablegen treffen weiß er, dass es bald losgeht. Eine kurze Gassirunde vorm Ablegen, dann angeleint ins Cockpit, Motor an und Leinen los. Hans sitzt dabei auf der Bank im Cockpit und schaut uns zu. Wir sind gespannt wie er es heute wegstecken wird, denn bei dem Wind kann es auch ungemütlich werden. Anfangs segeln wir unter vollem Vorsegel und dem Großsegel im ersten Reff. Als wir unseren Kurs verändern und „an den Wind“ gehen, um dem Fahrwasserverlauf bei Rudkobing zu folgen, legt sich Germane kräftig auf die Seite und nimmt Fahrt auf. Es entsteht jetzt enormer Druck in den Segeln, was anfangs durch lautes Knarren hörbar wird. Dieses Geräusch entsteht, wenn sich die Schoten spannen und fest in die Winschen ziehen. Um diese Geschwindigkeit unter Motor zu erreichen, müsste unser 60PS Diesel mit 2500 U/min laufen. Hans scheint es nichts auszumachen, solange Simone ihn abstützt und er nicht von der Bank rutschen kann. Da dieses Seegebiet gut geschützt liegt und der Wind wenig Anlauffläche über das Wasser hat, bleibt die Wellenhöhe bei ungefähr einem halben Meter. In der Nordsee hätten wir bei diesen Bedingungen eine Welle von über einem Meter. Kurze Zeit später können wir unseren Kurs wieder ändern. Den Rest der Strecke segeln wir raumschots, dabei fällt der Wind achterlicher ein. Auf diesem Kurs segelt Germane aufrechter aber langsamer. Spannend wir es als wir auf den Hafen zulaufen. Die Einfahrt liegt erst kurz vor der Uferbefestigung im 90° Winkel nach Backbord, ist erst kurz vorher zu erkennen und nicht einsehbar. Wir laufen mit 6,5 Knoten auf das Ufer zu, dabei schiebt der Wind mit 22 Knoten von hinten. Käme jetzt einer von vorne aus dem Hafen gäbe es Bruch! Im festen Vertrauen auf die Vorfahrtsregel „Stahl vor Kunststoff“ legen wir das Ruder herum und fahren viel zu schnell in die enge Einfahrt. Glücklicherweise ist alles frei und genügend Raum zum aufstoppen. Wir drehen den Bug in den Wind und können mit den Anlegevorbereitungen beginnen. Schnell sind Fender und Landleinen angebracht und wir lassen uns einfach vom Wind an den Besuchersteg drücken. Als Segelhusky Hans auf Landgang den langen Naturstrand sieht, springt er vor Freude mit allen Vieren in die Luft. Er liebt es über den Strand zu toben, Löcher im Sand zu buddeln und mit den Wellen zu spielen. Es ist eine Freude ihm dabei zuzusehen. Als wir später zum Anlegebier in die örtliche Hafenkneipe einkehren sind die Leute wieder hin und weg von Hans. Der kleine Husky Welpe (ca. 23kg) zieht alle Blicke auf sich und findet schnell neue Freunde. Wir bekommen von einem netten Herrn zwei Bier ausgegeben damit er Hans streicheln darf. Ein weiterer Vorteil von Segelhusky Hans, den wir vorher so nicht auf dem Schirm hatten.

07.06.2025 Insel STRYNO, DK

Wind und Wetter sprechen für einen kurzen Schlag zwischen den Schlechtwetterfronten. Die in nur 13 Seemeilen Entfernung liegende Insel STRYNØ eignet sich gut für einen angenehmen Kurs unter Segeln. Das Wetter ist nach wie vor unstabil, immer wieder ziehen Regenfelder durch und bringen teils viel Wind mit sich. Heute wehte es für einige Stunden in Stärke vier und wir konnten auf Halbwind-Kurs angenehm gen Süden segeln. Zwischendurch schlief der Wind immer wieder ein, um dann mit einer kräftigen Böe zurück zu kommen. Das Angenehme bei kurzen Abständen ist, dass es egal ist ob wir mit einer Geschwindigkeit von drei oder fünf Knoten segeln. Die eine Stunde mehr oder weniger macht hierbei keinen Unterschied. Als wir gemütlich durch den Svendbørgsund segeln, stoppt ein kleines Motorboot neben uns auf. Der Skipper ruft zu uns herüber: „Where’s Hans?“ Es ist die dänische Familie, die mit ihrer Segelyacht in ÆRØSKØBING hinter uns gelegen hat. Ihre neunjährige Tochter hatte sich in Hans verliebt und jede Gelegenheit genutzt mit ihm zu spielen. Sie waren vier Jahre auf Weltumseglung und kamen erst zur Einschulung zurück. Es war schön zu sehen, wie prägend diese Reise für die Kleine gewesen sein muss. Sie sprach bereits gutes Englisch, war aufgeschlossen und bewegte sich ganz selbstverständlich auf dem Boot. Das Rigg mit seinem Mast, Baum und Wanten war ihr Klettergerüst. Sie hatte eine Schulfreundin dabei und übersetzte ihr nebenher was wir uns erzählten.

Als wir in den kleinen Hafen von STRYNO einlaufen haben wir noch freie Wahl des Liegeplatzes. Außer einigen dänischen Booten liegt hier nur eine deutsche Segelyacht. Die kleine Insel ist schnell erkundet. Bis ins Dorf ist es ein Kilometer, bis zur anderen Inselseite ganze Zwei. Die Insel ist nur knappe fünf Quadratkilometer groß und soll 216 Einwohner haben. Gesehen haben wir davon maximal zehn. Das im Reiseführer angegebene Eiscafe besteht aus einem Kühlschrank und einer kleinen Geldkassette. Herzlich Willkommen steht auf dem Schild mit der Preisliste. Bitte online bezahlen oder das Geld in die Kassette legen. Zur Inselerkundung stehen am Hafen kostenlos Fahrräder zur Verfügung, man soll sie Abends bitte wieder zurück bringen. Hier ist die Welt noch in Ordnung, zumindest in der Vorsaison. Das es hier im Sommer voll wird erkennt man schon an der Größe des angrenzenden Spielplatzes, den eigenen Fähranleger und der Anzahl der Wohnmobilstellplätze. Nach einem verregneten Tag im Boat-Office ist noch ein kleines Trainingsläufchen drin, morgen soll es weiter gehen.

04.06.2025 SVENDBORG, Insel FYNEN, DK

Die Dänische Südsee ist sicherlich kein Seegebiet aus dem seefahrerrische Heldengeschichten hervorgehen. Die Wasserflächen liegen gut geschützt zwischen Festland und Inseln, der Tidenhub ist kaum spürbar und Strömung gibt es, wenn überhaupt, nur moderat. Kein Vergleich zum Segeln im offenen Tidengewässer der Nordsee. Die angelaufenen Häfen hatten bislang alle ihren Charme. Die Infrastruktur ist gut, alles sauber und das Umfeld sicher. Die Dänen wirken alle entspannt, sind freundlich und hilfsbereit. Kein Wunder also, dass dieses Gebiet äußerst beliebt und im Sommer überfüllt ist. Wieder einmal sind wir über unser Privileg froh, so viel Zeit zum Reisen zu haben. Da wir noch früh in der Saison sind ist es noch nicht zu voll. Das Wetter ist leider unstabil, immer wieder ziehen Schauer und Starkwindfelder durch. Die Häfen liegen dicht beieinander, daher können wir zwischen Schlechtwetterfronten weiter ziehen, ohne auf passenden Wasserstand und Strömungsrichtung warten zu müssen. Die Vorhersage für heute sagt Wind der Stärke vier, in Böen bis sieben, aus südlicher Richtung voraus. Am Abend soll es auffrischen und regnen. Um zehn Uhr legen wir ab und segeln „Platt vorm Wind“ unter Vorsegel gen Norden. Unser heutiges Ziel ist das 14 Meilen entfernte Svendborg. Der Wind ist schwächer als vorausgesagt, daher laufen wir erst gegen 14 Uhr in Svendborg ein. Die vier Stunden unter Segeln waren herrlich entspannend. Von ein paar wenigen Kursänderungen abgesehen gab es so wenig zu tun, dass wir aufpassen mussten nicht einzuschlafen. Der Hafen in Svendborg bietet ausreichend freie Plätze und zum Glück von Hans können wir wieder längsseits festmachen. Svendborg ist eine alte und traditionsreiche Seefahrerstadt. Laut Wikipedia leitet sich der Name aus Schweine und Burg ab, angeblich aufgrund der Schweinswale im Sund 🙂 Auf jeden Fall haben die Schweineburger etwas für Tiere übrig, denn Hans ist überall ein Star und erhält von wildfremden Menschen Streicheleinheiten.

01.06.2025 ÆRØSKØBING, Insel ÆRØ, DK

Heute ist Simones Geburtstag und den wollten wir an einem neuen Ort verbringen. Also haben wir uns gestern auf die lange Reise in diesen acht Seemeilen entfernten Hafen begeben. Navigatorisch weder aufregend noch anspruchsvoll, trotzdem war die Überfahrt herrlich entspannend. Wir laufen gegen Mittag ein und finden einen schönen Liegeplatz an dem wir längsseits festmachen. Hans geht bei dieser Anlegesituation ganz selbstverständlich von und an Bord, ändern wird sich das sobald er das erste Mal über den Bug herunterklettern muss. In der Ostsee ist es weit verbreitet mit dem Bug voraus zum Steg anzulegen. Dabei werden vom Heck aus Leinen um dahinterstehende Pfähle gelegt. ÆRØSKØBING ist ein kleiner gemütlicher Ort, ganz im dänischen Stil. Der Ortskern besteht aus kleinen bunten Fachwerkhäusern, einige stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Der Hafen füllt sich langsam mit Teilnehmern einer Regatta, die hier morgen starten soll. Ansonsten geht es eher gemütlich zu. Im Vergleich zu hier ist Helgoland selbst nach Verlassen der letzten Fähre noch eine Partyhochburg. Ein Restaurant zum Geburtstagsessen gibt es leider nicht, es bleibt bei einer teuren Fischfrikadelle, einem Eis und einem vom Geburtstagskind selbst zubereiteten Salat. How ever, wir verbringen trotzdem einen schönen Tag und lassen die Skipperin hochleben.