15.08.2026 LABOE
Um alles so machen zu können wie wir es tun, muss zwischendurch gearbeitet werden. Darüber beschweren wir uns nicht, ganz im Gegenteil, wir sind froh dieses Privileg zu haben! Daher liegen wir auch mal bei bestem Segelwind im Hafen und können erst weiter, wenn die Bedingungen nicht mehr optimal sind. So sind wir morgens auf FEHMARN ausgelaufen, um uns gegen Wind und Welle nach LABOE durchzuschlagen. Zeitdruck haben wir zwar nicht, aber zu lange an einem Ort zu bleiben ist nicht unser Ding. Der böige Wind wehte mit vier bis fünf Beaufort aus westlicher Richtung und sollte später auf Nordwest drehen. Die insgesamt 35 Seemeilen unter Segeln aufzukreuzen haben wir uns verkniffen. Unter Maschine und gesetztem Großsegel sind wir hoch am Wind gegenan gefahren. Das Großsegel können wir dichter als die Vorsegel holen und dadurch einen spitzeren Winkel zum Wind fahren. Alleine unter Großsegel wären wir zu langsam und hätten zu wenig Kraft, um gegen die anlaufenden Wellen an zu kommen. Wie vorhergesagt nahm gegen Mittag der Wind ab und drehte auf Nordwest. Wir hatten „segeldieselnd“ mittlerweile so viel Höhe nach Norden gelaufen, dass wir den Kurs anpassen und auch das Vorsegel setzen konnten. Auch wenn wir unseren Diesel mögen, ist es immer schön auf Windkraft umzuschalten. Die verbleibenden zehn Seemeilen konnten wir nun segelnd zurücklegen. Als wir nach sieben Stunden auf See in LABOE einliefen, hatte Hans noch Seebeine. Auf der Gassirunde kurz nach dem Festmachen, hatte er einen merkwürdig schrägen Gang 🙂 LABOE fühlt sich schon ein wenig nach dem Ende der Reise an. Die Schleuse zum Nord- Ostsee Kanal ist nicht mehr weit und ist von hier bei jedem Wetter anlaufbar. Die Baltic Bay Marina gefällt uns gut. Es führen tolle Laufstrecken entlang der Kieler Förde, die nähere Umgebung ist schön und abwechslungsreich. Unweit vom Hundestrand ist Slomo Beach, unsere lieblings Strandbar. Derzeit findet die German Classics Regatta statt. Der städtische Hafen ist mit klassischen Yachten gut gefüllt. Hier sieht man Bootsbaukunst aus vergangenen Tagen, die heute sicherlich nicht mehr bezahlbar wäre. Holz als Rumpfmaterial wurde schon lange durch GFK ersetzt. Während die ersten GFK Yachten noch handgefertigt wurden, stabil waren und schöne Linien hatten, wird heute fast alles in Serienbau gefertigt. Um möglichst kostengünstig zu produzieren, sind die Materialstärken so knapp berechnet, dass nur das Notwendigste verbaut wird. Unterwegs haben wir von Eignern solcher Yachten erfahren, dass ihre Boote strukturelle Probleme hatten, die mit viel Aufwand und Geld repariert werden mussten. Solche Eierschalen verdienen unserer Meinung nach nicht die Zertifizireung A für Hochsee. Wir freuen uns daher immer wieder über klassische Yachten, die von ihren Eignern liebevoll unterhaltenen werden. Am Freitag soll es in den Kanal gehen. Nach einem Zwischenstopp an der Gieslau-Schleuse wollen wir am Samstag Mittag zurück in unserem Heimathafen CUXHAVEN sein. Wenn alles nach Plan läuft, wird der nächste Reisebereicht aus Cuxhaven sein und mit einem Fazit diese Sommerreise abschließen. So viel können wir aber schon vorweg nehmen: Die diesjährige Planänderung, anstatt nach NORWEGEN zu segeln und uns die Route durch den Wind vorgeben zu lassen, ist gut aufgegangen.


12.08.2026 ORTH, FEHMARN

Mit ORTH auf FEHMARN haben wir die letzte Insel unserer diesjährigen Reise erreicht. Durch die außergewöhnlich hohen Temperaturen dieses Sommers, ist die See viel zu warm. In der Ostsee haben sich dadurch viele Algen gebildet, die das Wasser grün schimmern lassen. Wir haben etwas Sorge, dass sich der Seewasserfilter zusetzt und die Motorkühlung versagt. Glücklicherweise kommt es aber nicht datzu. Obwohl wir keinen Wind zum Segeln hatten, war diese Seereise zur Abwechslung mal wieder spannend. Nicht aufgrund der heute stattfindenden Sonnenfinsterniss sondern weil die Fehmarnsund Brücke saniert wird. Die Durchfahrtshöhe ist durch Bauarbeiten im Bereich des Fahrwassers geringer. Wie es unter Seglern so oft ist, gibt es mehr Meinungen als verlässliche Aussagen. Mit Aussagen wie: „Bei uns hats mit 18m gepasst…“ oder: „Würde über Funk bei der Verkehrsleitzentrale nachfragen“ konnten und wollten wir uns nicht verlassen. Den amtlichen Mitteilungen für Seefahrer ist zu entnehmen, dass die Durchfahrtshöhe von 21m auf 18m reduziert ist. Der Wasserstand am heutigen Tage liegt 40cm über Seekartennull, verbleiben also rein rechnerisch 17,6m Durchfahrtshöhe. Germanes Mast misst von der Wasserlinie bis zur Antennspitze 16,8m. Verbleiben also satte 80cm, ohne sich die Antenne krumm zu fahren. Falls wir die Brücke mit dem Mast erwischen, kommt er runter. Obwohl noch genug Platz sein muss, ist es immer ein komisches Gefühl auf solch „flache“ Brücken zu zu fahren. Letztendlich hat es gepasst, wir meinen sogar, dass noch reichlich Platz war. Dies aber in der Zufahrt visuell einzuschätzen, ist schlichtweg nicht möglich. Etwa drei Seemeilen hinter der Brücke laufen wir in den Hafen von ORTH auf FHMARN ein. ORTH ist aus der Krimiserie Nord bei Nordwest bekannt und heißt dort SCHWANITZ. Dies scheint den kleinen gemütlichen Hafen noch attraktiver zu machen, denn um halb zwei ist der Hafen bereits bis auf den letzten Platz belegt. Na klasse, mit Segelhusky Hans ins Päckchen (längsseits an einem anderen Boot festgemacht) zu gehen ist „worst case“. Alles was er nicht kennt, oder er vorher schon mal negativ verknüpft hat, ist für ihn ein Drama. Dies erzählt er dann auch lautstark jedem, indem er mit dem Husky-typischen, wolfsähnichen Geheule, herum jallert. Glücklicherweise sind unsere Bootsnachbarn sehr verständnisvoll und lieben Hunde. Am nächsten Morgen können wir in eine freie Box verholen und Hans kann sein Boot wieder über Bug und Gangway verlassen. Hier bleiben wir jetzt einige Tage bis es weiter nach Kiel geht. Von hier sind es jetzt nur noch zwei Stopps bis nach Hause. So langsam freuen wir uns aber auch auf unser Zuhause im schönen CUXHAVEN.














05. – 08.08.2015 über NIENDORF nach GRÖMITZ

Von LÜBECK aus ging es zurück über die Trave und weiter entlang der Küste. Das Seegebiet der Wismarer/ Lübecker Bucht ist, ausser bei nordöstlichen Winden, die äußerst selten vorkommen, gut geschützt. Selbst bei Starkwind baut sich hier keine unangenehme Welle auf. Bei Wind um die fünf Beaufort rauschen wir im ersten Reff mit 7,5 Knoten Geschwindigkeit durch die glatte See. Kein Wunder, dass dieses Gebiet bei Seglern beliebt ist. Im Vergleich zur Nordsee sind Segeln und Bootsführung hier deutlich einfacher. Keine Berechnung der Tide, keine Berücksichtigung von Strömungen, keine zeitlichen Vorgaben der Natur, um am Zielort auch genügend Wasser unter dem Kiel zu haben. Hier kann man einfach drauf los fahren und wir genießen es! Einfache, funktionale Häfen mit soliden Booten findet man hier dagegen nicht. Hier ist alles auf Saisonbetrieb und Urlaub ausgelegt. Die Leute kommen uns „zugeknöpfter“ vor, hier wird sich grundsätzlich gesiezt! Wenn es zu lächerlich wird, macht Dirk sich einen Spaß daraus, dies einfach zu ignorieren und freiweg weiter zu „Duzen“. So manch einem Stegnachbarn war das Unbehagen anzusehen, sich von diesem unrasierten Germanen-Skipper duzen zu lassen 🙂 In NIENDORF konnten wir im Voraus einen Liegeplatz beim örtlichen Segelverein reservieren und lagen in einer kleinen aber feinen Vereinsanlage. Der Yachthafen von GRÖMITZ dagegen, hat mit seinen 750 Liegeplätzen wenig Charme. Das Umfeld ist ähnlich, lange Strandpromenaden mit Shops, Cafes und Restaurants. Verbotsschilder überall, der Hundestrand scheint eher lästiges Beiwerk zu sein. In NIENDORF waren die 200m Hundestrand so überfüllt, dass weder Hund noch Frau-/ Herrchen Spaß am Baden hatten. Legt man hier die 10% Regel zu Grunde (überall wo man hinkommt sind schon 10% Idioten vor Ort), kann man sich gut vorstellen, wie sich das auf engstem Raum auswirkt. Der Hundestrand in GRÖMITZ dagegen war in Ordnung, wenn auch 4,5 Kilometer vom Yachthafen entfernt. Da Hans und wir viel Bewegung benötigen, haben wir auch das Umfeld zu Fuß erkundet. Schöne Laufstrecken findet man überall und abseits des Trubels lies es sich dort gut aushalten. Alles in Allem: Schönes Revier, zur Hauptsaison völlig überfüllt, muss man mal gesehen haben, für uns aber sicher nicht zu oft.





02.08.2026 LÜBECK

LÜBECK stand schon lange auf unserer Liste der noch zu besuchenden Städte. Dies hat zwei Gründe. Zum Einen hat LÜBECK als alte Hansestadt kulturell unheimlich viel zu bieten, zum Anderen wohnt hier ein guter Kamerad aus Dirks Bundeswehr Zeit. Dieses Jahr passt es gut in den Zeitplan, das Wetter spielt ebenfalls mit. Von Travemünde aus geht es etwa 12 Seemeilen die Trave hinauf, die sich alles schöner und vor Allem abwechslungsreicher Fluss zeigt. Außerhalb des Fahrwassers sehen wir einige gut geschützte Buchten, in denen Yachten vor Anker liegen. Im weiteren Verlauf stehen verlassene Industrieanlagen, die sich die Natur teilweise zurück zu holen scheint. Kurz vor LÜBECK fahren wir durch eine Hafenanlage die erkennen lässt, wie sich die kommerzielle Schifffahrt verändert hat. Alte Kaianlagen, die aus Zeiten der kleineren Küstenmotorschiffe stammen, sind entweder verlassen oder für die mittlerweile deutlich größeren Schiffe umgebaut worden. Unser Zielhafen, die Newport Marina, liegt direkt in der Altstadt. Wir müssen eine große Hubbrücke passieren, die eigentlich feste Öffnungszeiten hat. Derzeit ist sie aufgrund von Reparaturarbeiten durchgehend geöffnet. Zu Zeiten knapper Kassen eigentlich ein Wunder, da der dahinter liegende Bereich der Trave für die gewerbliche Schifffahrt kaum noch relevant ist. Die Newport Marina ist aufgrund ihrer besonderen Lage sehr beliebt. Einen Liegeplatz konnten wir vorab reservieren und werden beim Einlaufen freundlich vom Hafenmeister begrüßt. Der Platz ist klasse und die Marina sehr gut ausgestattet. Bei schönstem Sommerwetter sind viele Ausflugsboote unterwegs und die Cafés entlang der Trave sind gut gefüllt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Lübecker Altstadt durch die Royal Air Force bombardiert. Die Spuren dieses verehrenden Angriffs, auf rein zivile Ziele, sind auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen. Die Altstadt wurde mühsam wieder aufgebaut und wird mit enormen Aufwand in Stand gehalten. Seit 1987 zählt sie zum UNESCO Weltkulturerbe. Die fünf Kirchen haben der Stadt den Beinamen Stadt der sieben Türme gegeben. So schön und beeindruckend diese Stadt auch ist, so nachdenklich macht sie uns. An vielen Stellen lungern Obdachlose und Drogensüchtige herum, es wird sogar öffentlich konsumiert. Zudem sticht der hohe Ausländeranteil ins Auge, der aufgrund des Kleidungsstils dem muslimischen Glauben zuzuordnen ist. So kommt uns diese Stadtbesichtigung auch wie eine Zeitreise vor, die uns mit unbekanntem Ziel durch eine sich immer schneller verändernde Welt führt.
Das Veteranentreffen mit Markus rundet den Besuch in LÜBECK ab und macht ihn zu einem ganz besonderen Erlebnis. Tagsüber fahren wir mit der Gummirakete auf Stadttrave und Stadtgraben um die Altstadt herum. Vor 16 Jahren sind wir bei größerer Hitze und dicker angezogen, schwer bewaffnet durch Afghanistan gelaufen 🙂 . Wir haben uns viel zu erzählen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Markus ist gerader Typ mit einer starken Frau an seiner Seite. Abends grillen wir alle gemeinsam bei ihnen zuhause und haben, neben allen ernsten Themen, auch eine Menge Spaß.














01.08.2026 TRAVEMÜNDE

Endlich wieder Segeln. Wir laufen gegen 9 Uhr in BOLTENHAGEN mit dem Ziel TRAVEMÜNDE aus. Der Wind soll bis Mittag in Stärke 4 aus südwestlicher Richtung kommen. Für unseren Kurs ist dies ein guter Winkel, um hoch am Wind unserem Ziel entgegen zu segeln. Germane läuft klasse und macht bei 13 Knoten Wind etwa sieben Knoten Fahrt durchs Wasser. Keine hohen Wellen die uns bremsen, so macht Segeln Spaß. Als Travemünde in Sicht kommt dreht der Wind und fällt auf vier Knoten ab. Wir holen die Segel ein und staunen über andere Segler, die noch nicht aufgeben wollen.
Wir wissen, dass die MABETICA (unsere Traumyacht von Bettina und Martin, wir haben schon zuvor berichtet) irgendwo in Travemünde liegen muss. Als wir auf der Suche nach einem Liegeplatz ihren roten Stahlrumpf sehen, freuen wir uns um so mehr, dass die Beiden noch an Bord sind. Ihr Sohn Till hat sie die letzten Etappen von DÄNEMARK zurück begleitet und ist ebenfalls an Bord. Wie schon oft erwähnt, sind es die Bekanntschaften mit besonderen Menschen, die für uns das Reisen mit dem Segelboot ausmachen. Neben vielen Abenteuern, die Martin und Bettina mit Ihrer Yacht bereits erlebt haben, hat es uns besonders eines ihrer Projekte angetan. Als leidenschaftliche Kutschfahrer haben sie mit ihren beiden Islandpferden einen Sack Dinkel über 1200 Kilometer von Süd- nach Norddeutschland transportiert. Ziel war die historische Mühle auf AMRUM, wo der Dinkel dann traditionell mit Windkraft gemahlen wird. Martin hat dazu ein Buch geschrieben, welches uns von den ersten Seiten an gefesselt hat. (Business Class mit zwei PS, ISBN 978-3-7534-4407-05) Toll und unterhaltsam geschrieben, nimmt er uns mit auf eine Reise voller Herausforderungen. Uns wird dabei wieder einmal bewusst, dass es keinen Unterschied macht ob man beruflich oder privat, mit viel oder wenig Geld, auf der Pferdekutsche, Superyacht, Fahrrad, zu Fuß oder mit einem im Wohnzimmer selbstgebauten Flugzeug unterwegs ist. Entscheidend für den Erfolg ist in allen Lebenslagen das richtige Mindset. Manchmal mag auch noch eine kleine Portion Glück dazu beitragen 🙂 Mit den folgenden zwei Sätzen spricht Martin uns tief aus der Seele:
„Lieber ein bisschen verrückt, aber mit Spaß erfolgreich, als sich von Zweifeln anderer bremsen zu lassen.“
„Es wäre die Angst, bei einem Rückblick auf mein Leben feststellen zu müssen, dass ich nicht die Dinge getan habe, die ich gerne tun wollte, nur weil es anders bequemer gewesen ist und die Ausreden immer wie auf einem Silbertablett leicht greifbar vor mir lagen.„
Wir freuen uns riesig über das Buch mit persönlicher Widmung und sind froh seit Langem wieder einen unserer Project-Coins verleihen zu können. Die Nummer #30 geht an Martin und Bettina von der SY MABETICA.





