24.06.2026 KIRCHDORF, Insel POEL

Nach sieben Tagen in Kühlungsborn, Simone musste Urlaubsvertretung machen, ging es heute weiter. Auf unserem Weg durch die uns noch unbekannte Wismarer- und Lübecker Bucht laufen wir zunächst KIRCHDORF auf der Insel POEL an. Durch den Starkwind der letzten Tage steht noch ordentlich Welle vor KÜHLUNGSBORN. Wir ersparen uns mühseliges Aufkreuzen gegen den Wind unter Segeln und fahren unter Maschine direkt gegen an. Hierbei bewährt sich einmal mehr der Einbau des Python Drive. Durch das Drucklager in der Wellenanlage werden die Kräfte jetzt direkt in den Rumpf eingeleitet und nicht mehr wie früher über Motor und Motorfundamente. Dies hatte in der Vergangenheit, bei vergleichbarem Seegang, immer zu erheblichen Vibrationen im Schiff geführt. Eigentlich unverständlich, dass dies nicht schon werftseitig so ausgeführt wurde. Auch wenn diese Seegangs Verhältnisse nicht die Angenehmsten sind, fühlt es sich für Germane nicht mehr schlimm an. Zwar bremst uns jede siebte Welle deutlich ab, die Motorengeräusche bleiben aber konstant und monoton. Kein Vergleich zu früher. Wir klopfen uns voller Anerkennung gegenseitig auf die Schultern. Nach 26 Meilen unter Maschine laufen wir in das enge und schmale Fahrwasser nach KIRCHDORF ein. Die Fahrrinne ist gerade mal 2,5m tief, daneben wird`s ganz flach. Mit aufgeholtem Schwert tuckern wir dahin und hoffen, dass uns nicht die Fähre entgegen kommt. Hafen ist ein großes Wort für das, wo wir einlaufen. Der westliche Teil besteht aus einem Werftbetrieb mit Slipanlage. An der etwa 100m langen Kaje im Norden liegt die Fähre, ein zum Verkaufsstand umgebauter Fischkutter und zwei Motorboote. Der Gästesteg ist ein Pfahlbau, an dem mit dem Bug voraus festgemacht wird. Nach hinten wird das Heck an Pfählen befestigt. Somit ist der „Hafen“ nach Süden und Osten offen und ungeschützt. Die Wettersituation lässt für die kommenden Tage nichts Böses erwarten, daher buchen wir für zwei Nächte. Einen Spaziergang machen wir mit Hans nach TIMMENDORF auf Poel. Auch der zweite Inselhafen auf POEL überzeugt uns nicht. Dieser liegt sogar noch ungeschützter gegen die heutige Windrichtung. Die Boote im Hafen schaukeln ordentlich in ihren Boxen. Insgesamt verstehen wir den Hype, der über die Insel POEL gemacht wird, überhaupt nicht. Um eine Erfahrung reicher machen wir uns an die weitere Routenplanung und geben die Hansestadt WISMAR als nächsten Zielhafen in unseren Plotter ein.






19.06.2026 Gummirakete

Als Gummirakete bezeichnen wir unser Dinghi, das Beiboot von Germane. Es muss eine ganze Menge Anforderungen erfüllen. Eigentlich ist es genau diese eierlegende Wollmilchsau, die wirklich alles können muss. Im Wesentlichen sind das: Sicherer Transport der Crew vom Ankerplatz an Land und zurück. Dies natürlich auch gegen Welle, Strömung und viel Wind. Es darf bei Nichtgebrauch weder im Weg stehen noch viel Platz einnehmen. Auf keinen Fall darf es zu schwer sein. Zudem muss es Spaß machen damit durchs Ankerfeld zu rasen! Als Antrieb dient ein 15PS Zweitakt-Außenborder von Yamaha. Somit fehlte nur das passende Schlauchboot zum Motor, dass platzsparend auf Germane verstaut werden konnte. Das erste Dinghi war von Suzumar und 3,2m lang. Der Boden wurde durch ineinander zu steckende Aluminium Platten versteift. Das Boot war klasse, nur zu groß, um es aufgeblasen an Deck zu transportieren. Für den Zusammenbau benötigte man einen ebenen Untergrund, an Deck war dies nicht möglich. Zudem war es schwer und nahm verpackt viel Platz ein. Als Nächstes kam ein gebrauchtes 2,7m langes Festrumpf Dinghi von Pischel. Es war aufgeblasen zwar gut aufs Vordeck zu laschen, allerdings war dann die vordere Luke (über unserer Koje) nicht mehr zu öffnen. Diese ist sicherheitsrelevant, weil sie auch als Fluchtweg dient. Das Seeverhalten von diesem Teil war, mit zwei Erwachsenen besetzt, äußerst schlecht! Es lag wie ein schwerer Klumpen im Wasser, der trotz des leistungsstarken Motors nur schwer ins Gleiten kam. Schon bei kleiner Welle war das Teil nicht mehr zu gebrauchen. Glücklicherweise konnten wir es gut an einen Liebhaber verkaufen, der Spaß an dem alten Klumpen hat 🙂
Der neueste Versuch ist ein Hochdruckluftboden-Schlauchboot von Seatec. 3,2m lang, klein vom Packmaß und verhältnismäßig leicht. Zugelassen ist es für eine Motorisierung bis maximal 10 PS. Es ist schnell an Deck auf- und abgebaut und auch wieder verstaut. Das Seeverhalten ist deutlich besser als das vom kleineren Festrumpfboot. Bei knapp einem Meter Welle hat es sich tapfer geschlagen. Es kommt schnell ins Gleiten und geht trotz des Luftbodens gut durch die Welle. Der Motor würde es bei Welle unter Volllast vermutlich in Stücke reißen, es ist aber immer gut ein paar Kraftreserven abrufbar zu haben. Spaß macht das Teil auf jeden Fall und kommt damit unseren Anforderungen bislang am nächsten.


15./16.07.2026 GEDSER, DK nach KÜHLUNGSBORN, DE

Mit einem kurzen Übernachtungsstop in GEDSER ging es zurück nach Deutschland. Das gute Wetterfenster schließt sich allmählich, die verschiedenen Vorhersagemodelle sind sich nur noch nicht einig wann genau. Wir wollen auf Nummer sicher gehen und laufen früh aus. Am Nachmittag sollen bereits die ersten Gewitter aufziehen. Bis zur deutschen Küste sind es 30 Seemeilen, dabei ist ein Verkehrstrenngebiet zu queren. In diesem Trenngebieten fahren die großen Berufsschiffe in einem vorgegebenen Korridor. Diese Gebiete sind von Sportbooten zu meiden oder im rechten Winkel zügig zu queren. In der Praxis ist es aufgrund von Größe und Geschwindigkeit der Berufsschiffe oft schwer einzuschätzen, ob es passt oder wir Kollisionskurs sind. Generell zieht man als Sportboot den Kürzeren und hat sich von den Großen frei zu halten. Dank moderner Navigationselektronik wird uns der CPA (Closest Point of Approach) zwar angezeigt, dennoch ist es gruselig einem 300m Frachter, der 16 Knoten fährt, vor den Bug zu laufen. Kurz über Funk nachgefragt ob es passt, gibt der Kapitän Entwarnung. Wir sollen Kurs und Geschwindigkeit beibehalten, dann sind nach 200m Platz. Sicherlich hatte er auf der Brücke gehofft, dass wir beidrehen. So wussten wir jetzt aber Beide woran wir sind und Umstände hat es ihm nicht gemacht. Als wir zurück in Deutschen Hoheitsgewässern sind, holen wir die Dänische Gastlandflagge ein. Sie hat jetzt zwei Monate unter unserer Steuerbord- Saling geweht. Das ist das schöne an Europa. Wir können einfach so die Landesgrenzen überqueren ohne überall neu einklarieren zu müssen. Norwegen hat als Nicht EU Land seine Aufenthaltsbestimmungen verschärft. Als wir auf unserer Reise 2022 keinerlei Kontrollen hatten, sah dies 2024 schon anders aus. Mittlerweile müssen sich auch Sportboote ab 15m Länge anmelden und ihren Zielhafen angeben. Der Transponder darf selbst im Hafen nicht ausgeschaltet werden und jeder weitere Hafen muss vorab abgestimmt werden. Die Freiheit des Reisens wie innerhalb Europas ist dadurch, zumindest für Boote über 15m Länge, nicht mehr gegeben. Vor Kühlungsborn fährt die Deutsche Korvette F263, mit Abstand einen Kreis um uns herum. Sicherlich dienen wir gerade als Übungsziel für eines ihrer Waffensysteme. Schön, wenn wir hier indirekt einen Beitrag zum „In Übung Halten“ leisten können. Nach fünf Stunden machen wir im Hafen von Kühlungsborn fest. Der Hafen ist gut ausgestattet und es sind noch reichlich freie Liegeplätze vorhanden. Dies war ein weiterer Grund an die Deutsche Küste zu segeln, denn in der Hauptsaison ist es hier weniger überfüllt als in Dänemark. Simone muss jetzt eine Woche Urlaubsvertretung machen, danach ist das schlechte Wetter hoffentlich abgezogen.






13.07.2026 KLINTHOLM, DK

In der dänischen Ostsee gibt es Häfen, die man aufgrund ihrer Lage öfters anlaufen muss, um Abstände nicht zu groß werden zu lassen. Dazu gehört auch Klintholm an der westlichen Küste Dänemarks. Nach einer ausgeprägten Hochdruck Phase der letzten Tage, kündigt sich fürs Wochenende eine Wetteränderung mit Gewittern und Starkwind an. Bis dahin wollen wir zurück in Deutschland sein. Dort wollen wir den uns noch unbekannten Küstenabschnitt der Wismarer / Lübecker Bucht besegeln. Eigentlich ist Klintholm aber viel zu schön, um nur als Absprunghafen zu dienen. Die langen und hundefreundlichen Sandstrände in unmittelbarer Hafennähe lassen uns, in enger Abstimmung mit der Wetterkarte, zwei Tage bleiben. Da dieser Hafen sowohl für süd- als auch nordgehende Yachten günstig liegt, füllt er sich schon zur Mittagszeit. Um 17 Uhr ist kein Liegeplatz mehr frei. Wir liegen mittlerweile im 4er Päckchen, ein weiteres Boot würde die Durchfahrt blockieren. Einigen Yachten bleibt nichts anderes mehr übrig als außerhalb des Hafens vor Anker zu gehen. Bei dem guten Wetter stellt dies aber kein Problem dar, sofern man halbwegs autark ausgestattet ist. Direkt neben uns liegt wieder die MABETICA von Bettina und Martin, daneben zwei weitere Yachten. Vor und hinter uns sind auch Päckchen von jeweils vier Yachten nebeneinander. Spannend ist besonders das Ablegen am nächsten Morgen und der neue Aufbau der Päckchen im Laufe des Tages. Es herrscht ausgelassene Stimmung im überfüllten Hafen und der Umgang untereinander ist rücksichtsvoll. Keiner trampelt mit Holzschuhen über das Deck des Anderen oder baut irgendwelche Leitern und Aufstiegshilfen auf fremde Vordecks. Wir haben beim Päckchenliegen schon die dollsten Dinge erlebt, meist jedoch im positiven Sinne. Für den nächsten Morgen sprechen wir mit unseren norwegischen Nachbarn ab, dass wir um 7Uhr auslaufen wollen. Als morgens alle bereit zum Ablegen sind, fehlt der Skipper dessen Boot an der norwegischen Yacht festgemacht ist. Nach einiger Zeit des Wartens entschließt sich die Norwegerin, diese einfach mitzunehmen. So legt sie geschickt mit einer führerlosen Yacht an ihrer Seite ab und fährt in Richtung eines frei gewordenen Liegeplatzes. Dem Skipper der deutschen Yacht, der mittlerweile zurück ist und mit großen Augen am Steg steht, ruft sie zu, er könne seine Yacht in OSLO abholen 🙂





11.07.2026 RØDVIG, DK

Bei null Wind und spiegelglatter See geht es unter Motor weiter Richtung Süden. Die Kreidefelsen der Steilküste strahlen weiß in der Sonne. Das diese Perspektive von See aus einzigartig ist, zeigen auch die zahlreichen Ausflugsboote. Der Hafen von RØDVIG wurde uns wegen des Motoren-Museums empfohlen, dass Dirk sich anschauen möchte. Der kleine Hafen ist schnell gefüllt und wir hätten keine Minute später einlaufen dürfen. Wir gehen zunächst bei einer kleineren Yacht ins Päckchen, die später noch auslaufen möchte. Für Hans steht Festmachen und Motor abstellen immer im Zusammenhang mit Landgang. Voller Vorfreude beginnt er schon beim Anlegemanöver, in Husky-Manier auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem wolfsähnlichen Geheule hat er dabei die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Den zappeligen, etwa 24kg schweren Rüden über das Deck eines anderen Bootes an Land zu tragen, ist eine Herausforderung für sich. Es ist keinem Bootsnachbarn zuzumuten, einen Hund mit scharfen Krallen über sein Deck laufen zu lassen. Wir waren daher froh, dass diese Nachbarn sehr verständnisvoll waren, uns heran gewunken haben und uns ihren Liegeplatz längsseits der Kaje angeboten haben. Nachdem sie ausgelaufen sind und wir an der Kaje liegen, füllt sich der Hafen immer mehr. Zu unserer Freude läuft auch unsere Traumyacht ein. Eine Nordkapper 43 aus Stahl, die wir zuvor schon in DRAGØR gesehen hatten. Von Größe und Gewicht macht es nur Sinn, dass sie bei uns längsseits ins Päckchen gehen. Dies gibt uns wiederum die Chance, diese interessante Yacht näher zu betrachten. So kommt es dann auch. Wir nehmen ihre Leinen entgegen, kommen schnell ins Gespräch und erhalten eine spontane Schiffsführung. Wie in den Berichten zuvor schon beschrieben, sind es auch die Begegnungen mit besonderen Menschen, die das Segeln ausmachen. Bettina und Martin sind die Eigner der MABETICA. Sie haben sich mit diesem Schiff vor acht Jahren einen Traum erfüllt und sind damit bereits über den Atlantik gesegelt. Ein Schiff, dass keine Wünsche offen lässt und so ist, wie wir uns die optimale Fahrtenyacht vorstellen. Stahl, solide, variabler Tiefgang, klassische Linien, autark. Der einzige Haken dabei: Fern ab von unseren finanziellen Möglichkeiten. Besondere Schiffe gehören meist auch zu besonderen Menschen. Wir haben eine gute Zeit mit den sympathischen Eignern. Beide haben schon viel erlebt und werden nicht müde, besondere Projekte in Angriff zu nehmen. Den traditionellen Transport eines Sack Weizens per Pferdekutsche aus dem Allgäu zur Windmühle auf Amrum, war eines dieser außergewöhnlichen Projekte. Neben aller Fachsimpelei über Boote empfinden wir besonders solche Geschichten bereichernd. In diesem Zusammenhang seien auch Ingo und Karin erwähnt. Beide in ihren Siebzigern, segeln sie seit Jahren auf ihrer Bandholm 27 durch die Ostsee. Sie sind seit über 50 Jahren verheiratet und nach dem aktiven Berufsleben von Mainz nach Kiel gezogen. Beide versprühen eine Lebensfreude, die sowohl ansteckend als auch inspirierend wirkt.
Der Besuch des Motorenmuseums hat sich gelohnt. http://www.skibsmotor.dk Über 300 Schiffsmotoren der Baujahre 1903 bis 1975 umfasst die Ausstellung. Da der Besucherandrang eher gering ist und das Museum ehrenamtlich betrieben wird, hängt nur eine Telefonnummer an der verschlossenen Tür. Zehn Minuten nach dem Anruf kommt auch schon der Museumsführer. So wie es sich für ein Motorenmuseum gehört, trägt er Arbeitshose und hat ölige Hände. Neben mir nimmt noch ein dänisches Ehepaar an der Führung teil, leider ist es mit der Verständigung etwas schwierig. Ein paar Brocken kann ich dem Dänischen entnehmen. Dabei beklagt sich der ältere Herr, dass die jungen Leute weder fürs Ehrenamt noch für alte Verbrennertechnik zu gewinnen seien. Ob es dieses Museum noch lange geben wird, wage ich zu bezweifeln. Eigentlich schade, da hier viel Mühe und Herzblut hereingesteckt wurde. Als der ältere Herr einen alten Glühkopfmotor für uns startet, leuchten seine Augen. Ich hoffe, dass sich doch noch ein Nachfolger für ihn findet und diese beeindruckende Sammlung erhalten bleibt.










08.07.2026 DRAGØR, DK

Nach vier Tagen mit eher herbstlichem Wetter in KOPENHAGEN, geht es heute bei Sonnenschein und böigem Wind weiter. In 12 Seemeilen Entfernung liegt DRAGØR, ein Hafen der laut Kennern dieser Region angelaufen werden muss. Mit bis zu 26 Knoten achterlichen Wind, rauschen wir raumschots unserem Zielhafen entgegen. Dabei haben wir nur das Vorsegel ausgerollt, schließlich wollen wir die Zeit auf dieser kurzen Etappe genießen. Als wir gegen Mittag in DRAGØR einlaufen, ist der Hafen schon voll. Das mag auch daran liegen, dass aufgrund des Starkwinds der letzten Tage wenig Yachten ausgelaufen sind. Als wir auf der Suche nach einem Liegeplatz Kreise im Hafen drehen, ruft uns eine norwegische Crew zu, dass sie gleich auslaufen werden und wir ihren Platz übernehmen können. Glück muss man haben 🙂 Der Hafen und seine unmittelbare Umgebung sind wirklich schön. Geschäftiges Treiben herrscht in den Bars und Restaurants im Hafenbereich. Der Ort mit seiner Fußgängerzone ist im typisch dänischen Stil. Kleine bunte Häuser stehen eng beieinander und bilden enge Gassen. Im Umfeld des Ortes sind ausgiebige Rad- und Wanderwege durch Wiesen und Dünenlandschaft angelegt. Vom naheliegenden Kopenhagener Flugplatz ist zwar ab und zu der Lärm startender Maschinen zu hören, störend wirkt dies aber nicht. Das Wetter soll die nächsten Tage stabil bleiben und wir haben noch keinen Zeitdruck. Also werden wir hier die Gegend erkunden, ein paar Trainingsläufe machen, es uns gut gehen lassen und Hafenkino schauen.
Auf das große Kino müssen wir nicht lange warten, als eine deutsche Charteryacht einläuft. Gut zu erkennen sind diese Charteryachten oft an der Flaggenführung. Die am Heck wehende Nationale hat dabei nicht mehr als DIN-A4 Größe. Wir nennen das Deutschland-Wimpel am Charterstock. Diese, mit einer vierköpfigen Männercrew besetzte Segelyacht, ist uns bereits im letzten Hafen unangenehm aufgefallen. Übertrieben laut und arrogant, hatten sie sich schon im Tuborg-Hafen präsentiert. Jetzt wollen sie direkt hinter uns festmachen, obwohl es dort eigentlich verboten ist. Da man sich unter Seglern hilft indem man die Leinen annimmt, mache ich mich auf den Weg. Der Wind bläst in Stärke fünf aus Richtung des Steges. Zum längsseits Anlegen gegen ablandigen Wind ist schon etwas Geschick vom Skipper und Zusammenspiel mit der Crew nötig. Hier kommen diese Honks aber mit viel Geschrei in Richtung Steg. Ein Mitsegler steht dabei mittschiffs außerhalb der Reling, mit einer Hand klammert er sich an den Wanten fest, in der Anderen hält er eine Landleine. Obwohl ich diese Leine hätte annehmen können, entscheidet er sich für den kühnen Sprung auf den Steg. So weit so gut. Jetzt muss der Skipper aber das Boot aufstoppen weil wir davor liegen und kein Platz mehr ist. Kaum ist die Fahrt aus dem Schiff, drückt der kräftige Seitenwind die Yacht vom Steg weg. Zurück bleibt der Mitsegler an Land mit einer Leine in der Hand. Da ich hier glücklicherweise nicht mit eingebunden werde, verschwinde ich schnell wieder und genieße die weitere Vorführung von Bord aus. Nun treibt die Yacht immer weiter ins Hafenbecken und vom Steg versucht der abgesetzte Mitsegler diese mit Muskelkraft heran zu ziehen. An Bord der Yacht wird von der verbleiben Crew alles gegeben. Das Bugstrahlruder läuft ununterbrochen, schafft es aber nicht den Bug gegen den Wind zu drücken. Die Yacht hängt jetzt an der etwa 10m langen Landleine mitten im Hafenbecken. Mit viel Voraus und Achteraus, Bugstrahlruder, Muskelkraft und Geschrei, haben sie ihr 11m Serienplastikboot dann doch noch an den Steg gebracht. Die Charterkiste wird mit viel zu kurzen Leinen an den Steg getüddelt, so, dass die auftretenden Kräfte mit jeder Welle hörbar knackend in den Rumpf eingeleitet werden. Respekt! Anstatt jetzt aber demütig diesen verkackten Anleger nachzubesprechen, wird direkt wieder auf dicke Hose gemacht. Lautstark geht’s mit übertriebener Lustigkeit ans Anlegebier. Dabei feiern sie sich für dieses Manöver auch noch selbst. Glücklicherweise besteht die Masse der Seglercommunity aus vernünftigen Leuten aller Altersklassen. Wäre dies nicht der Fall, würden wir den Spaß am Segeln verlieren. Das Schöne beim Segeln ist auch, überall andere Wassersportler kennenzulernen und deren Geschichten zu hören. Geltungssüchtige Trommler, die meinen Helden zu sein, sind uns auch im Landleben zuwider.









04.07.2026 KOPENHAGEN, Tuborg Hafen

Kopenhagen hat eine Vielzahl von Yachthäfen. Am beliebtesten sind die Liegeplätze mitten im Stadtzentrum, der Wilders Plads Marina. Das Stadtbild ähnelt dort dem von Amsterdam. Auf gut Glück wollen wir uns aber nicht in die engen Kanäle der Stadt begeben und rufen vorab den Hafenmeister an. „Sorry, we are fully booked for the days to come!“ Dann eben nicht. Noch länger warten, nur um für einen späteren Zeitpunkt einen Liegeplatz reservieren zu können, kommt für uns nicht in Frage. In den Hafenführern wird auch zur Vorsicht geraten, da es dort des Öfteren zu Einbrüchen auf Yachten kommt. Dies lässt uns die Entscheidung leichter fallen, auf einen Hafen etwas außerhalb auszuweichen. Ein älteres deutsches Ehepaar empfiehlt uns die Tuborg-Marina-Copenhagen. Diese liegt nur etwa sechs Kilometer vom Stadtzenrum entfernt und sei gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden. Also passen wir unsere Route an und geben die Touborg-Marina als Zielhafen in den Plotter ein.
Das Wetter ist recht unbeständig. Als wir den Hafen in HELSINGØR verlassen, steht durch den gerade erst abgenommenen Starkwind noch ordentlich Welle vor der Hafeneinfahrt. Im Gegensatz zu den mit uns auslaufenden GFK-Yachten, schaukelt sich unser schwerer Germane recht gemütlich durch die kabbelige See. Als wir um die letzte Flachstelle herum sind und den Bug Richtung Süden drehen, rollen wir unser Vorsegel aus. Da der Wind noch recht böig ist, lassen wir das Großsegel unten. Germane macht im Schnitt 5,5 Knoten Fahrt durchs Wasser, mit einem Knoten schiebt die Strömung mit. Nach vier Stunden unter Segeln zeichnet sich die Hafeneinfahrt vor der Skyline von KOPENHAGEN ab. Auf den Hafenmolen stehen zwei riesige Tuborg-Flaschen. Navigatorisch richtig gekennzeichnet, steht auf dem von See kommenden rechten Molenkopf eine Flasche mit grünem Etikett, auf dem linken, backborseitigen Molenkopf, eine Tuborg-Flasche mit rotem Etikett. Wie der Name schon vermuten lässt, wurde er früher von der Tuborg Brauerei genutzt. Diese hat 1996 ihre Aktivitäten eingestellt und das ehemalige Industriegelände wurde in ein modernes Wohngebiet umgewandelt. 2007 wurde die Marina fertiggestellt und wird von dem Königlich Dänischen Yachtclub betrieben. Wir machen längsseits vor einem angesagten Restaurant im Hafen fest und kommen uns ein bisschen vor wie in Hafen City Hamburg. Rund um den Hafen herum stehen Wohnblocks mit gepflegten Außenanlagen. Shoppingcenter und weitere Gastronomie befinden sich auch in unmittelbarer Nähe. Der Hafen ist modern, sicher und teuer. Mit 53,-€ pro Nacht ist dies der bislang teuerste Hafen unserer Reise. Strom kostet natürlich extra 😦 Am nächsten Tag steht Sightseeing in Kopenhagen auf dem Programm. Mit Bus und U-Bahn sind wir innerhalb von 20 Minuten im Zentrum. Hans macht sich dabei ganz fantastisch. Ohne Probleme steigt er in den vollen Bus ein, fährt im gläsernen Fahrstuhl in die Metro herab, hat keine Probleme im Zug und selbst im Getümmel der Innenstadt bleibt er ganz cool. Für seine gerade mal 18 Monate, hat er hier reichlich neue Eindrücke zu verarbeiten. Kopenhagen ist schön und lebendig. Da wir nächstes Jahr noch zum Marathon hier sind, begrenzen wir unser Sightseeing heute auf das Nötigste. Einmal die sagenumworbene Wilders-Plads Marina sehen und natürlich der Besuch im Hard Rock Cafe Kopenhagen. Dieses ist das Sechste, dass wir auf eigenem Kiel angelaufen sind. Wir waren zuvor schon in HAMBURG, AMSTERDAM, LONDON, STOCKHOLM und in GÖTEBURG, OSLO hatte 2024 leider geschlossen. Ganz oben auf unserer Liste steht jetzt noch Das Hard Rock Cafe in TROMSØ.












01.07.2026 HELSINGØR

Nur 18 Seemeilen vom letzten Hafen entfernt machen wir schon wieder fest. Die Route entlang der Küste war einfach zu navigieren und unter Maschine schnell zurück gelegt. HELSINGØR liegt an einer nur zwei Seemeilen breiten Engstelle im ORØSUND. Direkt gegenüber liegt HELSINGBØRG in Schweden. Zwischen beiden Städten herrscht reger Fährverkehr, den man beim Navigieren gut im Blick behalten muss. Nach all dem touristischen Trubel in GILLELEJE, wollen wir hier abwettern und nebenher noch etwas Stadtleben und Kultur genießen. Simone freut sich auf die Schlossbesichtigung und Dirk sich aufs Schifffahrts-Museum. Leider waren weder Schloss noch Museum besonders erwähnenswert. Vermutlich sind wir mittlerweile etwas verwöhnt, was unsere Erwartungen an Museen und sonstige Besichtigungen angeht. Wie auch immer, in diesem Hafen liegen für die angesagten Starkwindtage gut geschützt. Die Umgebung ist abwechslungsreich und hat einige gute Laufstrecken zu bieten. Hans freut sich über den Sandstrand neben dem Hafen, somit ist die Germane Crew rundum glücklich. Der Hafen füllt sich mit weiteren Yachten, die hier ebenfalls Abwettern wollen. Nachdem alle Plätze belegt sind, kommt eine schwedische Familie mit ihrer Segelyacht zu uns ins Päckchen, d.h. sie machen an unserer Backbordseite fest. Dabei ist schnell erkennbar, dass es ihnen noch an Übung und Abstimmung fehlt. Solange es nicht um die Sicherheit oder Schadensabwehr geht, hält man sich mit schlauen Tipps oder Anweisungen besser zurück. So auch am Tag des Aufbruchs. Der Wind sollte gegen Mittag auf Stärke 4-5 zurückgehen und wir wollten los. Zuerst musste dafür unser Nachbar ablegen und dieses Manöver ging gründlich in die Hose. Im Ergebnis dengelte er rückwärts, mit seinem Beiboot am Heck, an den hinter uns liegenden Yachten entlang. Sein Flaggenstock war das erste Opfer, es folgten einige Schrammen entlang der folgenden Boote. Große Aufregung und unnötig böse Worte der anderen Crews rundeten das Bild ab. Der kleine Junge an Bord der schwedischen Yacht hat dabei hoffentlich kein Trauma erlitten. Gefahr für Leib und Leben bestand zu keiner Zeit. Hinterher fragt man sich dann doch, ob man ihm nicht vielleicht doch ein paar Tipps hätte geben sollen. Zu unserer Entlastung müssen wir aber sagen, dass wir dieses (dumme) Ablegemanöver so nicht erwartet hätten. Wir sind jedenfalls froh, als wir die Segel hochziehen und mit achterlichem Wind in Richtung KOPENHAGEN segeln.













